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12 (1851) Der Wildtöter : eine Erzählung
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Verstände, sollte man so sorgsam umgehen, wie mit Kindern, die»och nicht zu ihrer Vernunft gekommen sind."

Judith war verletzt durch diese Zurechtweisung aus demMunde dieses Mannes, aber sie würde dieselbe noch weit leb-hafter empfunden haben, hätte nicht ihr Gewissen sie von allenungerechten, selbstsüchtige» Absichteu gegen ihre schwachsinnige,aber vertrauensvolle Schwester freigesprochen. Es war jedoch nichtder Augenblick, irgendwie die bei ihr so gewöhnliche Aufwallungihres stolzen Geistes zu verrathen; und die vorübergehende Em-pfindlichkeit ward unterdrückt von dem Wunsche, zu dem wichtigenVorhaben, das sie im Auge hatte, zu gelange».

Hettp wird kein Unrecht geschehen," antwortete sie mild;sieweiß auch sogar nicht nur, was ich zu thun im Begriff stehe,sondern auch, warum ich es thue. So nehmt denn Euren Sitz,hebt den Deckel des Schranks auf, und dießmal wollen wir bisaus den Boden hinabdringen. Es sollte mich sehr wundern, wennsich nicht Etwas fände, was uns über die Geschichte ThomasHutter's und meiner Mutter mehr aufklärte."

Warum sagt Ihr Thomas Hutter, Judith, und nicht EuerVater? Den Todten soll man mit ebensoviel Ehrfurcht begegnen,als de» Lebenden."

Ich habe schon lang geargwohnt, daß Thomas Hutter nichtmein Vater sey, obwohl ich ihn für Hettp's Vater zu haltengeneigt war, aber jetzt wissen wir, daß er der Vater von Keinervon uns ist. Er bekannte dieß förmlich in seine» letzte» Augen-blicken. Ich bin alt genug, um mich eines bessern Zustands zuerinnern, als worin wir ans diesem See gelebt haben, obgleich dieEindrücke davon in meinem Geiste so schwach sind, daß mir derfrühere Thcil meines Lebens wie ei» Traum erscheint."

Träume sind armselige Wegweiser, wenn man sich überWirklichkeiten zu entscheiden hat, Judith," versetzte der Andere warnend.