Druckschrift 
12 (1851) Der Wildtöter : eine Erzählung
Entstehung
Seite
491
Einzelbild herunterladen
 

sic Euch bis morgen Mittag Zeit gegeben haben, Euch in EuremGcmüth zu fassen."

Ich denke nicht, Judith; ja, ich denke nicht. Ein Indianerist ein Indianer, Mädchen, und es ist eine ziemlich leere Hoff-nung, ihn zu täuschen, wenn er die Witterung bekommen hat,und sie verfolgt mit vorgestreckter Nase. Die Delawaren sind jetztein halb christlich gemachter Stamm nicht daß ich eine solcheArt von Christen für viel besser hielte, als die Vollblut-Ungläu-bigen aber dennoch, was ein halbes Christenthum einem MannGutes bringen kann, dessen sind Einige unter ihnen theilhaft ge-worden, und doch haftet die Rachsucht noch fest an ihren Herzen,wie die verworrenen Schlingpflanzen hier an dem Baume! DannHab' ich eine» ihrer besten und kühnsten Krieger getödtet, wie siesagen, und es wäre zu Viel, wenn man erwarten wollte, siewürden, wenn sie den Mann, der die That gethan, auf eben demStreifzug, wo sie vorfiel, gefangen nehmen, ihm die Sache nichtin Rechnung bringen. Wäre ein Monat oder so darüber hinge-gangen, so würden ihre Gefühle sich gelegt haben, und wir hättenuns vielleicht freundschaftlicher verglichen, aber wie es ist, so istes. Judith, wir spreche» da immer nur von mir und meinen An-gelegenheiten, während Ihr Noth genug gehabt habt, und viel-leicht einen Freund ein Wenig über Eure Angelegenheiten zu Rathezu ziehen wünscht. Ist der alte Mann in's Wasser versenkt, wo,wie ich mir denke, sein Leichnam gern ruhen würde?"

Das ist er, Wildtödter," antwortete Judith in fast unhör-barem Tone.Diese Pflicht ist so eben erfüllt worden. Ihr ver-muthet recht, daß ich einen Freund zu Rathe zu ziehen wünsche;und der Freund seyd Ihr. Harry Hurry steht im Begriff, uns zuverlassen; wenn er fort ist, und wir ein Wenig über die Gefühledieser ernsten Pflichterfüllung hinweg sind, werdet Ihr mir, hoffeich, eine Stunde allein gönnen. Hetty und ich sind in Ungewiß-heit und Verlegenheit, was thnn."