290
„Ich verstehe Euch, Schlunze, und ich verstand Hist. Manch-mal meine ich, ich sey nicht halb so schwachsinnig, als sic sagen,daß ich bi». Jetzt schaut hinaus zur Decke, so will ich Euch Allessagen. Aber Ihr macht mir bange, Ihr schaut mich so wild an,wenn ich von Hist spreche."
Der Indianer suchte seinen Mienen und Blicken einen sansteruAusdruck zu geben, um des Mädchens treuherzigem Verlangen zugenügen.
„Hist trug mir ans, in sehr leisem Tone Euch zu sagen, Ihrdürfet den Irokesen in Nichts trauen. Sie sind tückischer als alleIndianer, die sie kennt. Dann sagte sie, es sey ein großer, glän-zender Stern, der über de» Hügel hervortritt etwa eine Stundenach Anbruch des Dunkels — (Hist hatte den Planeten Venusbezeichnet, ohne es zu wissen,) — und genau, wann dieser Sternsichtbar wird, will sie auf dem Landvvrsprung seyn, wo ich gesternNacht gelandet habe, und Ihr sollet sie in einem Canoe abholen."
„Gut — Chingachgook jetzt gut genug verstehen; aber erversteht noch besser, wenn meine Schwester ihm noch einmal singt."
Hetty wiederholte ihre Worte, erklärte noch umständlicher,welcher Stern gemeint sey, und bezeichnete den Punkt des Vor-sprungs, wo er ans Land kommen sollte. Jetzt erzählte sie weiterin ihrdr ungekünstelten, arglosen Art ihre Begegnung mit demindianischen Mädchen, und wiederholte mehrere ihrer Ansdrücke undMeinungen, welche das Herz ihres Verlobten sehr entzückten. Be-sonders schärfte sie wiederholt ihre Warnungen ein, vor Verräthereiauf der Hut zu seyn; Warnungen, die jedoch kaum nöthig warenbei Männern, die so schlau wie die, welchen sie galten. Auchsetzte sie mit genügender Klarheit — denn bei allen solchen Gegen-ständen versagte dem Mädchen ihr Verstand selten — die gegen-wärtige Stellung des Feindes, und seine Bewegungen seit demMorgen auseinander. Hist war mit ihr auf dem Floß gewesenbis es von der Küste abstieß; sie befand sich jetzt irgendwo in den