225
Liebs ähnlich. Der alte Mann legte weder Unruhe »och Staunenüber ihr plötzliches Erscheinen an den Tag. In diesen Punktenhatte er den Stoicismns der Indianer angenommen, wohl wissend,daß er durch Nichts sichrer ihre Achtung sich erwerben könne, als durchNachahmung ihrer Selbstbeherrschung. Auch verricthen die Wildenselbst nicht durch das geringste Zeichen eine Aufregung über dießplötzliche Erscheinen einer Fremden unter ihnen. Mit Einem Wort,die Ankunft Hetty's verursachte, obgleich sie unter so eigenthümli-chen Umständen erfolgte, weit weniger sichtbares Aufsehen, als derFall seyn würde in einem Dorf von viel höher» Ansprüchen aufGesittung, wenn ein gewöhnlicher Fremder vor die Thnre des Hanpt-gasthofs anführe. Doch sammelten sich einige wenige Krieger, undans der Art, wie sie während ihrer Unterredung auf Hctty blickten,erhellte deutlich, daß sie der Gegenstand ihres Gesprächs war, undvermuthlich die Ursachen ihres unerwarteten Erscheinens von ihnenerörtert wurden. Dieß phlegmatische Wesen ist charakteristisch beidem nordamerikanischen Indianer — Manche behaupte» auch beiseinem weißen Nachfolger — aber in diesem Falle mußte Viel aufRechnung der eigenthümlichen Lage geschrieben werde», worin dieTruppe sich befand. Die Streitmacht auf der Arche, ausgenom-men die Anwesenheit Chingachgook's, war wohl bekannt; keinStamm, keine Trnppenabthcilnng war, wie man glaubte, in derNähe, und wachsame Augen waren rings um den ganzen Seeausgestellt, welche Tag und Nacht die leiseste Bewegung der Be-lagerten — denn so darf man sie jetzt ohne Uebertrcibung nennen— beobachteten.
Hutter war innerlich sehr bewegt über Hetty's Thun, so vielGleichgültigkeit er äußerlich erheuchelte. Er erinnerte sich ihrersanften Warnung an ihn, ehe er die Arche verließ, und das Un-glück machte gewichtig, was im Triumph eines glücklichen AnsgangsWohl vergessen worden wäre. Dann kannte er die einfältige,rücksichtslose Treue dieses Kindes, und verstand, warum sie ge-Der Wildtödter. 3. Aufl. 15