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„Raoul," flüsterte sie, „Gott ist dort, wie Er auch hier aufdiesem Felsen bei uns ist: Sein Geist waltet überall. Preise Ihn —Preise Ihn in Deinem Geiste, mein Geliebter, und seh glücklichfür immer!"
Raoul antwortete nicht. Sein Antlitz war aufwärts gewen-det, sein Auge haftete immer noch an jenem einzelnen Sterne.Ghita wollte ihn nicht stören, sondern schloß seine Hand in die ih-rigen und kniete wieder, in Andacht versunken, an seiner Seite nieder.
So verstrich eine Minute nach der andern: Keines von Bei-den schien zum Sprechen geneigt. Endlich warb Ghita wieder das sorg-same Weib, das sich an die leibliche» Bedürfnisse ihres Patientenerinnerte. ES war Zeit, ihm den Trank des Arztes zu reichen undsie näherte sich, um ihm das Glas an die Lippen zu halten.
Sein Auge war noch immer auf den Stern geheftet, die Lip-pen aber begegneten ihr nicht mit dem gewöhnlichen liebevollen Lächeln.Sie waren zusammengepreßt, wie wenn der Körper sich eben indas Gewühl der Schlacht stürzen wollte: eine Art finsterer Ent-schlossenheit hatte auf ihnen Platz genommen. — Raoul Bvardwar nicht mehr.
Die Entdeckung der Wahrheit war für Ghita ein furchtbarerAugenblick: nirgends ein lebendes Wesen in der Runde, das mitihr das Bewußtseyn ihrer Lage theilte — Alle schliefen den Schlum-mer der Ermattung.
Zhr erstes Gefühl war das ihres Geschlechts: sie warf sichauf den Leichnam, umarmte ihn in wildem Schmerz, und gab allenden geheimen Regungen Raum, welche ihr Geliebter in Augen-blicken der Unzufriedenheit ihr gänzlich abgesprochen hatte. Sieküßte Stirne, Wangen und die bleichen, ernsten Lippen des Tobtenund eine Zeit lang schien sogar ihr eigener Geist in Gefahr — eswar, als er ob er in der Fiebergluth des Schmerzes dem Voran-gegangenen folgen wollte.
Doch war es Ghita moralisch unmöglich, lange unter dem