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„Dein Oheim, Ghita? — wie—Carlo Giuntotardi— der andie Dinge in seiner nächsten Nähe niemals zu denken scheint? —Kann ein Geist, wie der seinigc, bei so fernen und erhabenen Ge-danken derweilen?"
„Du kennst und verstehst ihn nur schlecht, Raoul. Sein Geisthört sogar nur selten auf, über solche Gedanken nachzusinne» —das ist ja gerade der Grund, warum ihm die Erde mit Allem, wassie enthält, so gleichgültig erscheint."
Raoul gab keine Antwort; seine Wunde schien ihm wiederSchmerzen zu bereiten, und das weibliche Gefühl gewann in Ghi-ta's zarter Natur die Oberhand, so daß sie nicht den Muth hatte,ihn, wenn es auch sein Seelenheil galt, in einem solchen Augenblickebedrängen. Sie bot ihm niederschlagende Tropfen und Pflegte ihnmit nie ermüdender Sorgfalt: als die Schmerzen wieder gestilltschienen, lag sie wieder Minuten lang auf den Knieen und ihreganze Seele schien von dem Gedanken an sein künftiges Wohler-gehen erfüllt.
Eine volle Stunde verstrich auf diese Weise. Alles, was Le-be» hatte, schlief, von Ermattung überwältigt — nur Ghita undder Sterbende waren noch wach.
„Dieser Stern läßt mir keine Ruhe, Ghita!" murmelte Raoulendlich. „Wenn er wirklich eine Welt ist, so muß eine allmächtigeHand ihn geschaffen haben; der Zufall schuf noch nie eine Welt,so wenig er ein Schiff zu schaffen vermag. Nachdenken, Verstand,Kenntnisse müssen bei der Bildung von beiden vorgewaltct haben."
Seit Monaten hatte Ghita keinen so glücklichen Augenblick er-lebt. Es schien, als ob Raoul'S Geist sich selbst aus jener seich-ten Modephilosophie herauswinden wolle, welche bisher sein freund-liches Gemüth und seinen sonst so klaren Verstand umnebelt hatte.Wenn seine Gedanken nur einmal die wahre Richtung gewinnenkonnten, so hegte sie das festeste Vertrauen zu der Klarheit ihrerAnsichten, ein noch größeres aber zu der Güte ihres Schöpfers.