306
Dich glücklich zu machen! Hcimaih besitze ich keine, wenn nicht etwadie fürstlichen Thürmc dafür gelten können; Vaterland — seit demtraurigen Ereignisse dieser Woche ist mir, als ob ich auch diesesverloren hätte; Hoffnungen blühen mir nur wenige auf dieser Welt,an welche nicht Dein Bild sich knüpfte — und die, welche mir einstso theucr waren, sind, fürcht' ich, nunmehr erloschen; Du weißt, ichbesitze kein Vermögen, das mich zu bleiben oder Dich mir zu folgenveranlassen könnte und mein Leben — ach ich besorge, es wird nurgar zu bald ganz werthloS — ja ich bi» gewiß, es wird höchst elend seyn."
„Warum willst Du Dich also nicht endlich entschließen, thcnersteGhita, die Last Deiner Sorgen auf die Schultern eines Manneszu legen, der stark genug ist, dieselbe zu tragen? Du kümmerst Dichja nicht um Putz oder äußeren Schimmer und kannst einen Vräuti- ,gam auch in der ärmlichen Tracht eines Lazzarone annehmen, wennDu nur weißt, daß sein Herz redlich ist. Du wirst mich nicht deß-halb verschmähen, weil ich nicht angethan bin, wie sich'S für eineHochzeitfeier geziemt. Nichts ist leichter, als unter diesen Klöstern *einen Altar und einen Priester aufzufinden; die Stunde der Messeist nicht mehr fern. Gib mir ein Recht, Anspruch auf Dich zumachen und ich bezeichne Dir einen Ort zum Rendezvous, bringemorgen Nacht den Lugger herbei und führe Dich im Triumph nachunserer heiteren Provence: dort wirst Du eben so sanfte Herzen wiedas Dcinige finden, die Dich mit Freuden willkommen heißen undDich als Schwester begrüßen werden."
Raoul sprach in tiefem Ernst und man konnte die Aufrichtigkeitseiner Gesinnung unmöglich bezweifeln; nur bei der Anspielung aufseinen gegenwärtigen Anzug glühte ein Strahl von Selbstgefällig-keit in seinen Zügen, denn er wußte recht gut, wie vorthcilhaft ersich trotz dieser Lazzaronekleidung ausnahm.
„Dränge mich nicht, theurer Raoul," antwortete Ghita, indemsie, sich selber unbewußt, seinen Arm fester an sich preßte, währendTraurigkeit und Liebe zugleich aus ihrer Stimme hervorklang —