330
Capri machen uns zu dieser Jahreszeit nicht viel aus der Nacht-luft; da cs übrigens Euer Wunsch zu seyn scheint, so will ich mirso viel Ehre herausnehmen."
Zu jener Zeit galt ein schwarzseideneS Halstuch für das sichereZeichen eines Militärs. Die altmodische Halsbinde wurde nur nochvvn wenigen altmodischen Personen getragen und ihr neuerer Stell-vertreter kam erst viele Jahre später in Aufnahme; denn die jetzigeArt, sich zu tragen, ist nichts als eine Nachahmung jener militäri-schen Manie, welche am Schluffe des letzten großen Krieges diegesammte Christenheit ergriffen hatte. Eine schwarze Halsbekleidung,durch einen weißen Borstoß gehörig hervorgehvben, wurde dazumalfür besonders militärisch angesehen und selbst im gewöhnlichen Kostümerkannte man hieraus fast eben so sicher wie aus der Kokarde —daß der Träger derselben die Waffen führte.
Naoul wußte dieß und fühlte recht wohl, daß er durch Erfül-lung dieses Wunsches zu seiner eigenen Demaskirung behülflichseyn würde; aber er dachte, wenn er sich weigere, das Tuch umzu-legen, so könnte ihm dieß noch größere Gefahr bringen.
„Eure Eccellenza macht aus einem armen Bootsmanns einenPrinzen," sprach er, als er das Tuch angezogen hatte; „und meinWeib wird glauben, ein großer General sey im Anmarsch, wennich zur Thüre hereintrete."
„Um die Täuschung vollständig zu machen, Freund, müßt Ihrauch noch dieses anziehen," fuhr Grifsin fort und warf Naoul, derso ziemlich ein und dieselbe Größe mit ihm hatte, einen seiner eige-nen AlltagSröcke über.
Jetzt begann der wahre Thatbestand so ziemlich unzweifelhaftzu werden; nichtsdestoweniger that Naoul, wie man ihn geheißen,da nur Standhaftigkeit und Gehorsam ihm noch einige Hoffnunggewährten, und so stand er denn, von oberhalb in die Morgenuni-form eines englischen Seeoffiziers, unterhalb aber ü In larraronegekleidet — vor den staunenden Zuschauern.