201
täusche Dich in diesem furchtbaren Augenblicke nicht dadurch, daßDu den Schatten für das Wesen selber hältst! Was für einenUnterschied kann es machen, auf welche Art wir den Tvd erleiden,wenn er uns die Pforten des Himmels öffnet? Schmerz, das weiß ichgewiß, kannst D n nicht fürchten; selbst ich, die ich nur ein schwachesMädchen bin, würde ihn verachten; welche andere Ehre kann unsin der Stunde des Todes zu Thcil werden, als die, der Gnadeund Barmherzigkeit Gottes würdig erachtet zu werden! Caracciolioder Lazzarone — Fürst oder Bettler — das wird nach Verstußvon zwei Stunden keinen Werth mehr für Dich haben, und so laßmich Dich demüthig bitten, Deine Gedanken auf diejenige Stufeherabznstimuien, welche sich für alle Sünder ziemt."
.„Du sagst, Du seyst meine Enkelin, Ghita — die Tochtermeiner Sohnes Francesco?"
„Das bin ich auch, Signore, wie Alle mir sagen — wie meinHerz mich belehrt — und wie ich mit Zuversicht glaube."
„Und diese Ansichten erscheinen Dir unwürdig — oder wennDir dies besser gefällt, ungeziemend — für einen so feierlichenMoment und die Art des Todes willst Du selbst bei einem Kriegerfür gleichgültig erklären?"
„Verglichen mit seinen Hoffnungen auf den Himmel — imLichte seiner eigenen Gebrechen und der Verdienste seines Erlösersbetrachtet — ja, Großvater."
„Und willst Du — auf der Schwelle des Lebens stehend unddie ganze Welt mit Allem, was die Zukunft bietet, vor DeinenBlicken ausgebreitet — mich dennoch zum Schaffotte begleiten undder spottenden Menge ins Gesicht bekennen, daß Du Dein Dasey»von einem Verbrecher ableitest und Dich nicht schämst, ihn als Ver-wandten anzuerkennen?"
„Ja, Großvater — deshalb bin ich ja gekommen," gab Ghitastandhaft zur Antwort. „Verlange aber nicht, daß ich Dein Leiden mit«»sehen solle! Alles was ich thun kann, um Deine Schmach wenn