Druckschrift 
14 (1843) Der Irrwisch oder der Kaper : ein See-Roman
Entstehung
Seite
264
Einzelbild herunterladen
 

Dreizehntes Kapitel.

Wen» jemals beffrc Tage 3hr gesehen,

Wenn Glocken Zhr zur Kirche hörtet läuten:

Wenn Ihr mit einem Ehrenmann zn Tische saßet,

Wenn von den Wimpern eine Thrän' Euch rann:

Wenn Euch bekannt, wie süß das Mitleid-Geben und Empfangen,Dann laßt hier für mein Fleh'n mich Gnad' erlange».

Shakespeare.

Es wird nunmehr nothwendig, in der Zeit weiter zu rückenund den Schauplatz unserer Erzählung nach einem andern, wenngleich nicht fernen Thcile desselben Mittelmeeres zu verlegen.

Der Leser stelle sich im Geist an die Mündung eines weitenGolfes, der fast in jeglicher Richtung seine sechzehn bis achtzehnMeilen messen mag: seine Einfassung ist mit umspringenden Vor-gebirgen und zurücktretenden Krümmungen ausgezackt und die Tiefedes Ganzen mag vielleicht die größte Breite, wie wir sie angaben,noch in etwas übertreffen. Dann wird er denjenigen Standpunkteinnehmen, wo wir ihm eines der schönsten Panvrama'S der ErdeVor Augen stellen wollen.

Zn seiner Rechten erhebt sich ein hohes, felsiges Eiland vondunklem Tuffstein, das bei aller Großartigkeit seiner Forme»' durchseine lachenden Weingärten und üppigen Ortschaften einen heiterenAnblick gewährt dessen Interesse durch die Ruinen, welche an Er-eignisse aus der fernen Zeit der Cäsaren erinnern, noch vermehrtwird. Ein schmaler Arm des blauen Mittelmeeres trennt diese Inselvon einem kühn hervortretenden Kap des Hauptlandes; dann folgteine Reihe malerischer, mit Dörfern bedeckter Höhen und Thäler,die durch eine kühne und zugleich sanfte Seenerie gehoben und durchEinsiedeleien geschmückt werden, welche in der Sprache deS Landerden Namen Camaldolis führen bis wir zu einem Städtchen ge-langen, das auf einer mehrere hundert Fuß über das Wasser em-