91
Fünftes Kapitel.
Lassio: Der große Zwiespalt zwischen Sturm und Wogen
Trennt' unser Ncdenschiff — doch schau, ein Segelt
Othello.
Was auch der Erfolg der ferneren Nachfragen und Beobach-tungen des McestatthalterS in dieser Nacht gewesen seyn mochte —soviel ist gewiß, daß derselbe vor der Hand ein Geheimniß blieb.Beide, er und der Podesta, verweilten noch eine Stunde in demunteren Theile der Stadt, beim Hafen und in dessen Nähe, undverfügten sich sodann jeder in seine Wohnung zur Ruhe, währendder Lugger auf dem nämlichen Flecke vor Anker blieb, wo er zuletztdem Auge der Zuschauer erschienen war.
Auch eine zweite Zusammenkunft zwischen Raoul Dvard undGhita — wenn nämlich überhaupt eine solche stattsand — mußtejedenfalls sehr geheim veranstaltet worden seyn, denn kein mensch-liches Auge hatte etwas der Art wahrgenommen, weshalb die Sacheauch keinen Theil unserer Erzählung bilden kann.
Ein Sommermorgen am mittelländischen Meere ist eine jenerbalsamischen, besänftigenden Perioden des Tags, welche auf denKörper wie aus den Geist gleichermaßen ihren Einfluß ausüben.Die sanfte Beleuchtung, welche vor dem Erscheinen der Sonne amFirmamente emporzieht — die wechselnden Farben am Himmel selbst —die warme Glut der leuchtenden Sonne und die perlenklare, durch-sichtige Luft, welche nur darum vorhanden zu seyn scheint, umLiebe zu Gottes Schöpfungen in unserer Brust zu erwecken — diesAlles ist auch an andern Orten zu finden, nicht aber jener bezau-bernde Wechsel in dem Kolorit des Meeres, dessen klares Blau mitden tiefsten Tinten des Firmaments wetteifert, nicht daS Klima, das denBeschauer eben so sehr entzückt als die Scenen, welche es verschönert,und nicht die Berge, deren Abhänge auch den leisesten Wechsel derBeleuchtung mit der ganzen Treue und Poesie der Natur reflectiren.