chen Verlegenheiten, denn der Vicestatthalter stellte seine Fragenzuweilen gerade so, daß das Bejahen derselben den Schein derVerneinung gewonnen hätte.
Er wand sich übrigens noch ziemlich glücklich aus diesen Schwie-rigkeiten heraus, ja es gelang ihm sogar so gut, durch seine Aeuße-rungen des Staunens: — wie ein Fremder sein eigenes Vaterlandso gut — ja in manchen Beziehungen sogar noch besser, als erselbst kennen, wie er mit dessen Gebräuchen, Einrichtungen und sei-ner Geographie so wohl vertraut seyn könne — Andrea'S Eigen-liebe zu schmeicheln, daß dieser, als endlich die Flaschen geleertwaren, seinem Nachbar ins Ohr flüsterte, der Fremde zeige so vielVerstand und Kenntnisse, daß es ihn gar nicht Wunder nehmenwürde, wenn er sich zuletzt noch als einen geheimen Agenten derbrittischen Regierung zu erkennen gäbe, der mit philosophischen Un-tersuchungen über den Handel und die Schifffahrt Italiens beauf-tragt sep und vielleicht Vorschläge für Erleichterung der Geschäfts-beziehungen zwischen beiden Ländern zu machen habe.
„Ihr seyd ein Bewunderer des Adels und ein treuer Anhängerder Aristokratie," fuhr Andrea Barrofaldi im Verlaufe des Gesprä-ches fort: „ja, wenn man die Wahrheit erfahren dürfte, so seydIhr wohl gar selbst der Sprössling eines edlen HauseS,^Signore?"
„Ich? — Il'este! — Signor Vicestatthalter, ich Haffe einenAristokraten, wie den Teufel selber!"
Der Fremde hatte eben einen ungewöhnlich langen Zug ausseinem Glase gethan und sprach mit einer unbedachtsamen Hitze,die er augenblicklich selbst wieder bereute.
„Das ist außergewöhnlich an einem Engländer! — Aha! ichsehe schon, wie's steht — Ihr gehört zu der OpposiHone und hal-tet für nöthig, dieß kundzugeben. Es ist doch sonderbar, mein gu-ter Vito Viti, daß diese Engländer in zwei politische Kasten zer-fallen, die sich in Allem und Jedem befehden. Behauptet die eineParthie, ein Gegenstand sey weiß, gleich schwört die andere, der-