480
„Sieh!" hob er an und zog den Neberwurf von den bleichenZügen seiner Gefährtin, „wie die Furcht vor dem Schicksal ihresGemahls dem guten Kinde Thronen ausgepreßt hat! Sie verläßtihn nun, Freund, mit einem ihrer Begleiter, während der Anderezurückbleibt, um für seines Herrn Bedürfnisse zn sorgen. Sieh siean; ist sie nicht eine süße, wenn auch trauernde Gefährtin, umden Lebenspfad eines Soldaten zu verschönern?"
Der Mann schien ganz besonders ergriffen durch die unge-wöhnlichen Reize, welche Ralph so ohne Umstände vor seinem Blickenthüllte und während er in staunender Verwirrung dastand — zugleicher Zeit kaum so keck, um hinzuschauen und dabei doch nurmit Widerstreben sich abwendend — folgte Cäcilie den leichten Trittendes alten Mannes, der in das Zimmer trat, welches Meriton undder Fremde eingenommen hatten. Sie war noch beschäftigt, ihrGesicht vor den Augen der Schildwache wieder zn verhüllen, als Ralphwieder erschien, von einer Gestalt begleitet, welche in den wohlbe-kannten Oberrock eingehüllt war. Trotz des niederhängenden Hutsund der angenommenen Verstellung im Gang, erkannte doch das scharfeAuge der Frau ihren verkleideten Gemahl und da sie sich im näm-lichen Augenblick der Verbindungsthüre zwischen beiden Zimmernerinnerte, war ihr der ganze Kunstgriff auf einmal enthüllt. Mitzitterndem Eifer glitt sie an der Schildwache vorüber und drängtesich mit einer Hingebung an Lionels Seite, welche den Betrugleicht vor einem Andern hätte verrathen können, der mehr an die Ge-staltungen des Lebens gewöhnt gewesen wäre als der ehrlicheLandmann, der kaum erst den Dreschflegel mit der Muskete ver-tauscht hatte, in Wirklichkeit es war.
Ralph ließ der Schildwache keine Zeit zur Neberlegung, sondernwinkte ihr mit der Hand als Zeichen des Abschieds und wandtesich mit seiner gewohnten Raschheit nach der Straße. Hier trafensie den andern Soldaten, der auf dem ihm angewiesenen Raumevor dem Gebäude auf und abging, und die Wachsamkeit, von der