seine Anwesenheit von Mutter und Kind gänzlich unbeachtet blieb.Die Eine saß noch, bas Haupt ans die Brust gesenkt, in ihrenSorgen vertieft, während der Andere in seine gewöhnliche dumpfeLethargie verfallen war, und nur noch durch sein mühsames, hör-bares Athemholen Zeichen des Lebens von sich gab. Der Kapitänblickte zuerst einen Augenblick auf das Elend, das in dem Zimmerherrschte und das durch den düsteren Schein der armseligen Kerzein noch viel traurigerem Lichte erschien, und dann auf die Krank-heit und die Leiden, welche zu deutlich in dem Aeußeren der beidenunglücklichen Bewohner sich aussprachen; doch keine dieser beidenBetrachtungen konnte ihn von seinem Borhaben abbringen. DieVersuchung hatte den gehorsamen Schüler Epikurs auf eine Artüberfallen, welche nie verfehlte, auch seine schönsten philosophischenEntschlüsse zu besiegen, und in diesem Falle war sie sogar starkgenug, seine Menschlichkeit zu überwältigen. Er näherte sich demBette des Simpels und sprach zu ihm mit rauher Stimme:
„Du mußt mir gestehen, was Du mit den Lebensmitteln an-gefangen hast, welche Mr. Seth Sage Dir anvertraute, Du Junge— ich kann eine so graffe Pflichtverletzung in einer Sache vonso besonderer Wichtigkeit nicht übersehen. Wenn Du nicht willst,daß ich die Grenadiere vom k8ten zurückrufe, so sprich sogleich,und bekenne die Wahrheit."
Job fuhr in hartnäckigem Stillschweigen fort, doch Nbigailerhob das Haupt und übernahm es, für ihr Kind zu antworten:
„Er hat nie unterlassen, die Sachen in's Quartier des Ma-jors zu bringen, so oft er zurück kam. Nein, nein — wenn meinJunge so schlecht wäre, daß er stehlen könnte, so wäre doch Jenergewiß der Letzte, den er berauben würde."
„Ich hoffe so, — ich hoffe so, gute Frau; doch ist das eineArt der Versuchung, der man in so knappen Zeiten nur zu leichtunterliegt," antwortete der ungeduldige Kapitän, der wahrscheinlicheinige innere Merkmale seiner eigenen Gebrechlichkeit in solchen