409
die Gefahr von Euch abzuwenden, der Ihr so mnthwillig ge-trotzt habt. Geht; Alles sey vergessen und vergeben."
Der widerstrebende Grenadier nahm ihr Geld und da er be-merkte , daß er bereits von den Meisten seiner Kameraden verlassenwar, machte er dem schönen Wesen vor ihm eine linkische Ver-beugung und entfernte sich, nicht ohne noch manchen wilden und finsternBlick auf den unglücklichen Elenden zu werfen, der auf so uner-wartete Weise vor seiner Rache geschützt worden war. Kein wei-terer Soldat war in dem Gebäude zurückgeblieben, und das lärmendeund rasche Jneinandersprechen des sich entfernenden Haufens, woJeder mit Heftigkeit seine eigenen Thaten erzählte, wurde baldunhörbar und verlor sich in der Entfernung.
Nun wandte sich Cäcilie zu Denen, welche zurückblieben undwarf einen raschen Blick auf jedes Einzelne von der Gesellschaft.Im Augenblick, als sie den staunenden Augen Polwarths begeg-nete, bedeckte abermals eine schnelle Rothe ihre bleichen Züge undihr Antlitz war eine Zeit lang in Verwirrung zu Boden gesenkt.
„Ich vermuthe, ein und dieselbe Absicht hat uns Beide hiehergeführt, Kapitän Polwarth," redete sie diesen an, als die leichteVerwirrung vorüber war — „nämlich die Wohlfahrt unseres ge-meinsamen Freundes?"
„Sie haben mir nicht Unrecht gethan," antwortete er. „Alsdas traurige Amt, womit Ihre schöne Cousine mich beauftragthatte, zu Ende war, eilte ich hieher, um einer Spur zu folgen,welche, wie ich Grund zu glauben habe, uns führen wird zu —"
„Dem, was wir am meisten zu finden wünschen," fiel Cäcilieein und warfunwillkührlich ihre Blicke aufdie anderen Zuschauer. „Dochunsere erste Pflicht ist Menschlichkeit. Könnte dieser unglücklichejunge Mensch nicht auf sein eigenes Zimmer gebracht werden,damit man seine Verletzungen untersuchen kann?"
„Es kann jetzt oder auch nach unserer Ausforschung geschehen,"antwortete der Kapitän mit kalter Gleichgültigkeit, worüber Cäcilie