383
Minute stehen, um auch diese Zaudernden stch entfernen zu lassen,ehe er selbst dem Platze Des Todes den Nucken kehren wollte. Daer aber bemerkte, daß die Beiden in stummer Andacht ihre Postenbehaupteten, erhob er neugierig seine Blicke, um zu untersuchen,wer diese Nachzügler seyn möchten.
Die Eine der beiden Personen, welche ihm zunächst stand, warein Mann, dessen Kleidung und Miene verrietst, daß er keinen sehrhohen Rang im Leben bekleiden mochte; die andere war eine Frauvon noch niedrigerem Stande, wenn man aus dem schmutzigenElend, das in ihrem Aeußern herrschte, mit Recht einen solchenSchluß ziehen durfte. Etwas ermüdet von den harten Anstren-gungen des Tages und von den Pflichten des ungewöhnlichen Dienstes,den er übernommen hatte, berührte endlich der würdige Kapitänmit angenommener Förmlichkeit seinen Hut und sagte:
„Ich dank' Euch, gute Leute, für dieses Zeichen der Ehrfurchtvor dem Andenken meiner verewigten Freundin; da wir nun aberAlles gethan haben, was noch für sie geleistet werden konnte, sohalte ich für'S Beste, daß auch wir uns jetzt entfernen."
Durch das freundliche und höfliche Benehmen Polwarths augen-scheinlich ermuthigt, trat der Mann ihm näher und wagte nacheiner sehr ehrerbietigen Verbeugung zu erwiedern:
„Man sagt mir, es sey das Leichenbegängniß der MadameLechmere, dem ich hier angewvhnt habe?"
„Man sagte Euch die Wahrheit, Sir," erwiederte der Kapitän,und fing sachte an, den Weg nach dem Thore einzuschlagen; „dieBeerdigte ist Priscilla Lechmere, Wittwe von Mr. John Lechmere —eine Dame von angesehener Abkunft, und ich denke, man wird nichtläugnen können, daß sic auch ein ehrbares Begräbniß gehabt hat!"
„Wenn es die Dame ist, welche ich vermnthe," fuhr der Un-bekannte fort, „so ist sie allerdings von ehrbarer Abstammung.Ihr früherer Name war Lincoln, und sic ist eine Tante von demgroßen Devonshirer Baronet dieser Familie."