Druckschrift 
5 (1836)
Entstehung
Seite
56
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sage». Ich bin einige Jahre älter als Sie, habelänger in der Welt gelebt, habe viele verschicdneCharaktere in ihr gesehen, und meine Erfahrunghat mich befähigt, einen Charakter, wie der Ih-rige, zu durchdringen und zn schätzen. WährendSie dem oberflächlichen Beobachter als frivol er-scheinen , weiß ich, daß Ihr Geist nicht nur dieernstesten und wichtigsten Angelegenheiten aufzu-fassen fähig, sondern auch durch Nachdenken hin-länglich geübt ist, sic richtig zu beurtheilen. Siegeben sich weibisch ich weiß, daß Niemand küh-ner ist; trag Niemand hat einen rastloserenEhrgeitz; im höchsten Grad selbstsüchtig und ichweiß, daß kein irdisches Interesse Sie zur Ge-meinheit oder zum Unrecht verlocken könntenein, nicht einmal zu einer verzeihlichen Untreuegegen einen Grundsatz. Diese Schätzung IhresCharakters macht mich freimüthig und offen gegenSie. Zudem erkenne ich in dem sorgfältigen Stolze,womit Sie Ihre höhern und innigeren Gefühleverhehlen, etwas Verwandtes mit einem meineeigne Seele streng beherrschenden Grundsatz. AllDieses flößt mir eine warme Theilnahme an Ih-rem Schicksal ein; möge es so glänzend seyn, alsmeine Ahnungen es verkündigen!"

Ich sah der Sprecherin, als fle schloß, in ihrschönes Angesicht; vielleicht war, in diesem unbe-lanschten Augenblick, mein Herz Ellen untreu;aber die Untreue gieng rasch vorüber, wie der