Druckschrift 
1 (1836)
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

44

lichkeit angezogen wurde. Er besaß große, mannig-faltige Bildung und ein durch Treue und Umfangwahrhaft in Erstaunen sehendes Gcdächtniß. Erwar ein strenger Criliker und hatte ein eignes Ge-schick, bei Beurthcilung jedes Schriftstellers autdessen eignem Buche Stellen anzuziehen, welche ergegen ihn selbst kehrte. Gleich den meisten Men-schen war in der Theorie der Filosofie ziemlichstreng, in der Anwendung aber nachsichtiger altbillig. Nach seinen Grundsätzen hätte man ihn füreinen Cato an Strenge und Unbiegsamkeit gehal-ten ; und da war er in der That ein Kind in sei-ner Nachgiebigkeit gegen die Laune des Augen-blicks. Ein Freund des Nachdenkens und der For-schung, liebte er doch »och mehr die Fröhlichkeit unddas Vergnügen, und einer der gelehrtesten Män-ner, war er zugleich der beste Gesellschafter. Warer mit mir oder mit Andern, die er für Meines-gleichen hielt, allein, so nahm seine Pedanterie(denn pedantisch, mehr oder weniger, blieb er im-mer) einen ganz scherzhaften Ton an; dem Gelehr-ten , dem Schöngeist gegenüber, wurde er ernst,gründlich und beissend. Gäng und gäbe Meinun-gen liebte er mehr zu bekämpfen als zu begünstigen,und vielleicht verleitete ihn dieß nicht selten z«Paradoxen; doch war auch in seinen gesteigertenAnsichten viel Gesundes und Tüchtiges, und dieGeisteskraft, die ihn zum selbstständigen Denker