77
nicht ermangeln, so oft als möglich dorthin zu ge-hen- Mache Deinen Hof besonders der Lady-.
Sie ist eine bezaubernde Person, allgemein beliebtund eine der wenigen Engländerinnen, gegen dieman ohne Gefahr höflich seyn kann.
A prvpos! wegen der englischen Höflichkeit!Du hast hoffentlich schon die Entdeckung gemacht,daß Du im Umgang mit Franzosen ein ganz ande-res Betragen anzunehmen hast, als gegen unsereLandslcnte; bei uns darf man bei der geringstenAcußerung von Empfindung und Begeisterung dar-auf rechnen, überall sich lächerlich zu machen; aberin Frankreich darfst Du es wagen, Dich nicht allernatürlichen Gefühle entwöhnt zu zeigen; ja, wennDu Begeisterung an den Tag zu legen weißt, wer-den sie Dich zum Genie stempeln und alle Eigen-schaften des Herzens dem Kopfe gut schreiben. Duweißt, wenn man in England das Verlangen nachder Bekanntschaft mit Jemand verrükh: so ist dießder sichre Weg seinen Zweck zu verfehlen, sie bil-den sich gleich ein, es stecke die Absicht auf ihreFrauen oder auf ihre Essen dahinter; aber in Frank-reich kann man durch Höflichkeit nie verlieren:Niemand wird Dir Höflichkeit als Dreistigkeit undAufdringlichkeit auslegen. Wenn die Fürstin von
T-und die Herzogin von D - Dich in ihr
Haus einladcn, (was sie gewiß thun, sobald Dudeine Briefe abgegeben) so gehe wöchentlich zweibis dreimal hin, wenn auch nur einige MinutenBnlwer's Romane. VH. 6