278
/
mir es sagen, mit allen Eure» Büchern, und mit aller EurerSchulweisheit? War es nicht der erste Mensch im Garten Eden,und ist dieß nicht der einleuchtendste Beweis, daß seine Gaben aufseine Kinder vererbt sind?"
„Dieß ist freilich die Mosaische Erzählung von der Sache:Ihr nehmt aber den Bericht zu buchstäblich, den Ihr gelesen habt."
„Ich? gelesen? Nun ich glaube gar, Ihr bildet Euch ein,daß ich meine Jugendzeit in Schulen verbracht und verschwendet,sonst würdet Ihr dem, was ich weiß, nicht die größte Schandeanthun, die Einer dem Andern ohne allen Grund anthun kann.Habe ich je gewünscht, lesen zu können, so ist es bloß geschehen,um den Inhalt des Buches, welches Ihr erwähnt, besser zu ver-stehen, denn das ist ein Buch, welches in jeder Zeile die Spracheder menschlichen Gefühle spricht, und hierin mit der Vernunft zu-sammenkommt."
„Glaubt Ihr denn, sagte der Doktor, durch diesen Dogma-tismus seines widerspenstigen Gegners aufgereizt, und vielleichtauch insgeheim zu sehr seinen eigene» liberaleren, obschon nicht soheilsamen Einsichten vertrauend, „glaubt Ihr denn, daß alle Thieredes Erdbodens wörtlich und buchstäblich im Garten Eden versammeltwaren, damit jedes derselben von dem ersten Menschen seine»Namen empfinge?"
„Warum nicht? Ich verstehe Eure Meinung gar wohl, dennman braucht nicht eben in Städten zu leben, um alle teuflischeEinfälle und Spitzfindigkeiten zu hören, die der menschliche Unver-stand auSheckt und erfindet, um sein eigenes Glück zu untergraben.Was beweiset der ganze Einwnrf? Nichts mehr und nichts weniger,als daß der Garten Eden kein Garten war, wie die erbärmlichenPflanzungen, die man heut zu Tage mit diesem Namen belegt, unddaß auch hier schon die göttliche Schöpfung die menschliche Aus-bildung und Verbildung zu Schanden macht. Nein, nein, derGarten Gottes war — der Wald, und ist — der Wald, in