Seite angegriffen, und da er gar nicht.zweifelte, daß sie seinVerschriebenes annehmen werde, ging er selbst an's Werk, um dieMedici» ohne allen Verzug zu bereiten. Als er ihr den Trankanbot, wurde dieser zwar mit einer verdrießlichen, abstoßenden Mieneangenommen, aber so im Umsehen hinuntcrgeschluckt, daß cs sichgenugsam erwies, wie sehr die Patientin danach verlangt habe.Das Weib murmelte ihren Dank, und ihr Arzt setzte sich schweigendnieder, um die Wirkung seiner Dosis zu betrachten. In wenigerals einer halben Stunde wurde Esther'S Athemholen immer tiefer,und, wie der Doktor selbst es genannt haben möchte, so sehr abstrakt,daß, hätte er nicht gewußt, wie natürlich cs seh, diesen Anfall vonSchläfrigkeit der mächtigen Dosis Opium zuzuschreibeu, womit erden Branntwein versetzt hatte, er am Ende in sein eigenes ReccptMißtrauen hätte setzen müssen. Mit dem Schlafe dieser sonst sowachen Frau wurde die tiefe »Stille ringsum ganz allgemein.
Da hielt es Doktor Vattius für gelegene Zeit, sich zu erheben,und, mit der Stille und Vorsicht eines nächtlichen Räubers, sichaus seiner Kammer — oder besser gesprochen, seinem Loche, denneinen bessern Namen verdiente es nicht — hinaus, nach den Lager-stätten nebenbei hinzustehlen. Hier nahm er sich Zeit, um sich zuversichern, daß alle seine Nachbarn in tiefem Schlafe begrabenlagen. Davon versichert, zauderte er nun nicht länger, sondernmachte sich auf den halsbrechenden Weg nach der hohem Felsen-platte. So vorsichtig er ging, geschah es doch nicht ohne Geräusch.Während er sich schon Glück wünschte, seine Absicht vollkommenausgesührt zu haben, und den Fuß bereits oben auf den höchstenRand setzen wollte, faßte ihn ganz unerwartet eine Hand an seinemRockzipfel, was so mit einem Male allem Fortschrciten ein Endemachte, als hätte ihn Jsmael's gigantische Kraft selbst an dieErde gefesselt.
„Ist im Zelte Jemand krank," lispelte ihm eine sanfte Stimmein's Ohr, „daß Doktor Battius zu dieser Stunde gerufen wird?"