„O ich wußte, daß Ihr eiu Mensch wäret, und ich glaubteauch das Winseln Eures Hundes zu erkennen," antwortete sie hastig,als wolle sie irgend etwas ausdrücken und wisse doch nicht was,und hielt dann plötzlich inne, als fürchte sie, schon zu viel gesagtzu haben.
„Ich sah keine Hunde bei den Gespannen Eures Vaters,"bemerkte der Wildstcller trocken.
„Vater?" rief das Mädchen nicht ohne Bewegung aus. „Ichhabe keinen Vater! Fast hätte ich gesagt, ich habe keinen Freund!"
Der alte Mann wandte sich hier zu ihr, mit einem Blick vollGüte und Theilnahme, der weit milder war, als der gewöhnliche,wohlwollende, doch ernste Ausdruck seines Gesichtes, das alle Stürmeerduldet hatte.
„Warum wagt Ihr Euch aber an einen Ort, wo nur derStarke hinkommen sollte?" fragte er. „Wußtet Ihr nicht, als Ihrüber den großen Fluß setztet, daß Ihr einen Freund hinter Euchließet, der immer verpflichtet ist auf die Jungen und Schwachen,wie Ihr seyd, zu blicken."
„Wen meint Ihr?"
„Das Gesetz. — Schlimm, daß mau cs haben muß, aberzuweilen, denke ich, es ist noch schlimmer, wo cs gar nicht gefundenwird. Ja — ja, das Gesetz ist nöthig, wo es solche zu schützengilt, denen die Gabe der Kraft und Weisheit abgcht, und Merund Gebrechlichkeit lassen mich gleichfalls bisweilen diese Schwächefühlen. Ich hoffe, junges Mädchen, wenn Ihr keinen Vater habt,habt Ihr doch wenigstens einen Bruder." '
Das Mädchen fühlte den heimlichen Vorwurf in der verstecktenFrage, und blieb einen Augenblick verwirrt und schweigend. Aberals sie die milden und ernsten Züge des Andern gewahr ward,indem er sie mit dauernder Theilnahme ansah, erwiedcrte sie festund auf eine Art, die ihm keinen Zweifel ließ, daß sie seineMeinung verstehe: —