„Gib Acht, Schecke; gib Acht, Alter, - willst du?«
Wer iu einem neuen Lande wohnt, ist mit der Sprache, welcheman gegen Ochsen braucht, zu bekannt, um eine solche Anredenicht befremdend zu finden; aber es lag auch etwas in der Stimme,was Miß Temple auffiel. Als sie um die Ecke bog, mußte sie sich»othwendig dem Manne nähern, und ihr scharfes Auge ließ sie indemselben Oliver Edwards unter der grobe» Hülle eines Ochsen-treibers erkennen. Ihre Blicke begegneten sich in demselben Mo-ment, auch war ungeachtet der Dunkelheit und Elisabeths Manteldie Erkennung wechselseitig.
„Miß Temple" — „Herr Edwards", lautete es gleichzeitig,obgleich ein Gefühl, das Beide zu Iheilen schienen, die Worte fastunhörbar machte.
,.Jst'S möglich," rief Edwards nach einem Augenblicke deSZweifels, „daß ich Sie in der Nähe des Gefängnisses sehe? DochSie gehen wohl in die Nectorei; ich bitte um Verzeihung. —Miß Grant, glaube ich? Ich hatte Sic anfangs nicht erkannt."
Der Seufzer, welcher Luisen entfuhr, war so leise, daß ernur von Elisabeth gehört wurde, welche rasch erwiederte:
„Wir sind nicht nur in der Nähe des Gefängnisses, HerrEdwards, sondern wünschen sogar hinein zu gehen. Wir wollenLederstrumpf zeigen, daß wir seiner Dienste nicht vergessen habenund daß mein Vater, wenn er gerecht seyn mußte, auch dankbarist. Sie sind wohl zu einem ähnlichen Zwecke hier, aber ich mußSie bitten, daß Sie mir auf zehn Minuten den Vortritt erlau-ben. Gute Nacht, Sir; ich — ich — bedaure von Herzen, HerrEdwards, Sie zu einem solchen Geschäfte erniedrigt zu sehen;aber gewiß, mein Vater würde-'
„Ich füge mich gern« Ihrem Wunsche, Fräulein," fiel ihrder Jüngling kalt in'S Wort. „Darf ich bitten, daß Sie meinerAnwesenheit nicht erwähnen?"
„Verlassen Sie sich darauf," versetzte Elisabeth, indem sie dieDie Ansiedler. St