„Sie kennen die Eigenthümlichkcitcn dieses Volkes nur wenig,Miß Grant," sagte er, „sonst würden Sie wissen, daß Rache deinIndianer als eine Tugend gilt. Man hat sie von Kindheit aufgelehrt, es für eine Pflicht zu halten, jede Unbild zu vergelten,und nichts als die höheren Ansprüche der Gastfreundlichkeit kanngegen ihre Rache schützen, wenn die Macht dazu in ihre Handgegeben ist."
„Aber Sie sind doch nicht zu so unheiligcn Grundsätzen er-zogen worden?" entgegnete Miß Grant, indem sie unwillkürlichihren Arm aus dem seinigen zog.
„Für Ihren vortrefflichen Vater bedürfte es keiner andernAntwort, als daß ich in dem Schooß der Kirche erzogen wurde,aber gegen Sie will ich hinzufügen, daß mir die Lehre von derVergebung tief und nachdrücklich durch das Leben selbst eingeschärftwurde. Ich glaube, daß mir in dieser Hinsicht nur wenig vorge-worfen werden kann, und ich will mir Mühe geben, auch diesesWenige noch zu vermindern."
Er hatte bei diese» Worten Halt gemacht und ihr auf's Neueseinen Arm ««geboten, den sic auch, sobald er geendet, ruhig hin-uahm und weiter ging. Herr Grant und Mohegan hatten inzwi-schen die Thüre der Pfarrwohnung erreicht, und harrten nun ander Schwelle ihrer nachkommendeu Begleiter. Der crstere wareifrig bemüht, durch seine Gründe die üblen Neigungen zu ver-tilgen, die er eben bei dem Indianer entdeckt hatte, während derletztere in tiefer Aufmerksamkeit zuhörte. Sobald die Dame undder junge Jäger anlangten, traten sie in das Gebäude.
Das Haus lag vom Dorfe ab in der Mitte eines Feldes, ausdessen weißer Fläche Baumstümpfe mit fast zwei Fuß hohen Schnee-kappen hervorragten. Kein Baum, kein Gesträuch war in derNähe und das Haus gewährte äußerlich jenen »»lieblichen Anblick,den man gewöhnlich bei den hastig errichteten Häusern eines neu ange-bauten Landes wahrnimmt. Für den uneinladcndcn Eindruck der Außen-