Druckschrift 
1 (1841) Der letzte Mohikan : eine Erzählung aus dem Jahre 1757
Entstehung
Seite
343
Einzelbild herunterladen
 

343

und fuhr durch die schwache Wandung der Hütte, als wäre sie demeiner furchtbaren Maschine geschleudert wurden.

Dunean war Zeuge der drohenden Handlung gewesen und sprangschnell auf seine Füße, während sein Herzblut stockte und die edelmüthig-stcn Entschlüsse zu Gunsten seines Freundes in ihm erwachten. EinBlick sagte ihm, daß der Streich gefehlt hatte und sein Schreckenging in Bewunderung über, llncas stand ruhig da, seinem Feindemit einer Miene, die über jede Aufregung erhaben war, fest in'SAuge blickend. Marmor konnte nicht kälter, unbeweglicher, starrerseyn, als der Ausdruck, womit er diesem plötzlichen, rachsüchtigenAngriff begegnete. Dann aber lächelte er, den Mangel an Geschick,der ihn gerettet hatte, gleichsam bemitleidend und murmelte einigeWorte der Verachtung in seiner Muttersprache.

Nein," sprach Magna, nachdem er sich beruhigt hatte, daßder Gefangene unbeschädigt war,die Sonne muß seine Schandebeleuchten. Die Squaws sollen sehen, wie sein Fleisch zittern wird,oder unsre Rache ist nur ein Knabenspiel. Geht, bringt ihn aneinen Ort, wo Schweigen herrscht. Wir wollen sehen, ob ein De-lawarer in der Nacht schlafen kann, und am andern Morgen sterben."

Die jungen Krieger, welche den Gefangenen zu bewachenhatten, wanden alsbald ihre Bastriemen um seine Arme und führtenihn unter tiefer unheimlicher Stille aus der Hütte. Nur unter derOeffnung des Eintritts zögerte Uncas' fester Tritt: er wandte sichund warf einen eilenden, stolzen Blick auf seine Feinde umher. Indiesem las Dunean gerne den Ausdruck eines Muthcs, der immernoch nicht alle Hoffnung aufgab.

Magua begnügte sich mit dem gewonnenen Erfolge, oder war erzu viel mit geheimen Planen beschäftigt, um seine Nachforschungenfortzusetzen. Seinen Mantel schüttelnd und über der Brust faltendverließ auch er die Hütte, ohne einen Gegenstand zu verfolgen,der für seinen Nebenmann so leicht verderblich werden konnte.Trotz des in ihm wachsenden Rachegefühls, trotz seiner natürlichen