152
einer eurer alten Großmütter an der Schürze hängt; und die guteBüchse auf meinem Knie da für eine Gänsefeder, mein Pulverhornfür ein Tintenfaß und meine Jagdtasche für ein übergeschlagenesTaschentuch, mein Essen drin in die Schule zu tragen? Was?Buch? Was Hab' ich, ein Krieger der Wildniß, obgleich ein Mannvon reinem Blut, mit Büchern zu schaffen? Ich las immer nur ineinem, und die Worte, welche in diesem geschrieben sind, sind zueinfach und zu klar, um viel Schulens zu bedürfen; und doch kannich mich rühmen, vierzig lange und harte Jahre darin gelesen zuhaben."
„Was meint Ihr da für ein Buch?" fragte David, der de-Andern Meinung nicht recht verstand.
„Es liegt offen vor euern Augen," erwiederte der Kundschafter,„und der Eigenthümer ist nicht karg damit, läßt gerne darin lesen.Ich hörte schon sagen, es gebe Leute, die in Büchern lesen, umsich zu überzeugen, daß ein Gott ist. Es ist möglich, daß sie inden Niederlassungen seine Werke so verunstalten, daß das, was inder Wildniß so klar und deutlich vor Augen liegt, unter Krämernund Priestern zweifelhaft wird. Wenn's einen Solchen gibt under will mir von einer Sonne zur andern durch die Windungender Wälder folgen, so soll er genug sehen, um sich zu überzeugen,daß er ein Narr ist und daß seine grüßte Narrheit darin besteht,an ein Wesen hinanreichen zu wollen, dem er niemals, weder anGüte noch an Macht gleichkvmmen kann."
Sobald David, merkte, daß er mit Einem stritt, der seinenGlauben aus Natnranschaunngen geschöpft habe, und sich aus keineSpitzfindigkeit der Lehre einließ, so gab er gerne einen Kampf ans, indem er weder Vortheil noch Ehre ärnten konnte. Während derKundschafter sprach, hatte auch er sich gesetzt, und das allzeit bereiteBüchlein nebst der in Eisen gefaßten Brille hervorziehend, schickteer sich an, eine Pflicht zu erfüllen, die allein in Folge des un-erwarteten Angriffs auf seine Rechtgläubigkeit so lange unerfüllt