war kleiner, als die übrigen, und von magerer anmuthloser Gestalt,da seinem Aeußeren, wenigstens so lange er sich ruhig verhielt,jener Adel fehlte, durch den sich alle seine anderen Gefährten aus-zeichneten. Wie ich später erfuhr, führte dieser Häuptling denNamen Adlerffug — eine Bezeichnung, die ihm wegen des kühnenSchwunges seiner Beredsamkeit beigelegt worden war. Obschonbeim gegenwärtigen Anlasse sich ein tiefer Ernst in seinem interes-santen Gesichte aussprach, bemerkte man doch deutlich, daß derGeist in seinem Innern nicht unter außerordentlichen Wehen arbei-tete. Indeß konnte sich ein solcher Mann nicht zum Sprechenerheben, ohne unter seinen erwartungsvollen Zuhörern leichte An-zeichen von Aufregung hervorzurufen. So behutsam auch die Roth-häute eine Kundgebung ihrer Gefühle zu unterdrücken Pflegen,konnten wir doch, als Adlerflug aufrecht dastand, unter den übrigenHäuptlingen eine leichte Bewegung wahrnehmen. Der Redner be-gann in gedämpfter, aber feierlicher Weise, und seine Betonungwechselte zwischen dem tiefen, eindrucksvollen Kehllaute und einemsanften Schwung auf eine Art, wie diese nur der vollendeten Be-redsamkeit eigen ist. Während ich ihm zuhörte, kam es mir vor,als sey ich jetzt zum erstenmal Zeuge von der gewinnenden Macht,welche die menschliche Stimme auszuüben vermag. Er sprachlangsam und nachdrncksvoll, wie es wahre Redner stets zu haltenpflegen.
„Der große Geist läßt die Menschen verschieden werden," be-gann Adlerffug. „Einige sind wie die Weiden, die im Wind sichbeugen und im Sturm zerbrochen werden, Andere gleichen denTannen mit schmächtigen Stämmen, wenigen Zweigen und weichemHolz. Hin und wieder zeigt sich eine Eiche unter ihnen, die aufder Prärie wächst, ihre Aeste weit hin breitet und einen lieblichenSchatten wirft. Dieses Holz ist hart und von großer Dauerhaf-tigkeit. Warum hat der große Geist die Bäume so verschiedengeschaffen? — warum läßt der große Geist die Menschen so ver-RavenSnest. 29