Druckschrift 
26 (1847) Ravensnest, oder die Rothhäute : eine Erzählung
Entstehung
Seite
247
Einzelbild herunterladen
 

247

war, ihre Gefühle zu bewältigen. Nach einigen Minuten benutztemeine Großmutter eine Pause, um sich zu erheben und MaryWarren mit fortzunehmen, obgleich letztere das Zimmer nur mitsichtlichem Widerstreben verließ. Der Vorwand, welcher dafürgeltend gemacht wurde, betraf eine Zusage an den Geistlichen,welchen man in der Bibliothek über eine Angelegenheit, die mitden Sonntagsschnlen in Verbindung stand, sprechen wollte.

Der junge Mann soll Dir noch eine Arie spielen, Martha,"bemerkte meine Großmutter.Ich komme an Jane's Zimmer vor-bei und werde sie unverzüglich herschicken."

Jane war die Garderobejungfcr meiner Schwester und hatteihr Zimmer ganz in der Nähe. Auch kaun ich mir wohl denken,daß meine Großmutter im Beiseyn Mary Warren's sogleich die betref-fende Weisung ertheilte, weil diese sonst das Auffallende des ganzenBenehmens hätte überraschen müssen: aber Jane erschien gleichwohlnicht. Was mich betraf, so spielte ich so lange fort, als ichglaubte, daß ein Ohr nahe genug sey, um mich hören zu können;dann aber legte ich meine Flöte bei Seite. Im nächsten Augen-blick lag Patt in meinen Armen und weinte geraume Zeit an meinerBrust; aber ihrem Gesichte war anzusehen, daß sie sich unaussprech-lich glücklich fühlte.

O Hugh! wie mochtest Du auch in solcher Verkleidung DeinHaus besuchen!" rief sie, sobald sie sich hinreichend gesammelthatte, um Worte zu finden.

Wie hätte ich es anders möglich machen können? Du kennstden Zustand des Landes und die kostbaren Früchte, welche unservielgepriesener Baum der Freiheit hervorbringt. Der Besitzer desGrund und Bodens kann sein Eigenthum nur mit Gefahr seinesLebens besuchen!"

Martha drückte mich in ihre Arme und bekundete in der Art,wie sie dies that, daß sie recht wohl die Gefahr kannte, welcherich mich aussetzte, selbst wenn ich sie in einer Verkleidung besuchte.