139
„O die Zeitungen huben sich, wie die allzufrei schwimmendenSchweine, selbst umgebracht; außerdem scheint es im gegenwärtigenAugenblick Mode zu sehn, ihnen keinen Glauben zu schenken. Öf-fentliche Vortrage sind nunmehr die großen moralischen Hebel derNation."
„Kann man aber in einem öffentlichen Vortrag-nicht ebensogutLügen auskramen, wie in einer Zeitung?"
„Ohne alle Frage — und wenn viele von diesen Volksrednernzu der Schule meines neuen Bekannten Holmes — ,VolksrednerHolmes', wie ihn Seneka nannte — gehören, so muß ich besagtemlöblichen Orden zur Steuer der Wahrheit nachrühmen, daß er sichgegen diese schöne Tugend sehr bedeutende Frechheiten erlaubte."
„Ihr habt ihn also auf einigen Verstößen gegen die Wahrheitertappt, lieber Onkel?"
„Rede mir nicht von einigen, sondern vielmehr von Hunderten.Für einen Mann in meiner Stellung war nichts leichter, als dies,da ich ja die ganze Geschichte der Landeigenthumsrechtc im Staatvon Grund aus kenne. Einer seiner Beweisgründe faßt die schwacheSeite unseres Systems so scharf, daß ich ihn dir mittheilen muß.Er sprach von dem ernstlichen Charakter der Unruhen — von derhohen Wichtigkeit für den Frieden und für die Ehre des StaateS,ihnen schleunigst ein Ende zu machen, und ging dann — du wirstden Folgesatz sehr logisch finden — auf den von ihm entworfenenVorschlag über, in Betreff der Besitztitcl eine andere Verleihungvorzunehmen, damit das Volk zufriedengestellt werde!"
„Unter dem Volk sind natürlich die Pächter verstanden, denndie Grundbesitzer und ihre Rechte kommen nie in Betracht."
„Dies ist der eine schöne Zug in dieser Moral — das Augeoder die Wange — wie du willst; nun aber kömmt die Nase,und man muß sagen, daß sie ächt römisch ist. Ein gewisser Theilder Staatsgemeinschaft wünscht sich seiner vertragsmäßigen Oblie-genheiten zn entledigen, und weil er finden muß, daß dies auf ge-