38
die Ihr zwischen Geist der Institutionen und Tendenzenzieht, nicht ganz begreife."
„Ich kann mich leicht deutlicher fassen. Der Geist der Institutionenbesteht in ihrer Absicht, die Tendenz aber in der n atürlichen Rich-tung, welche sie unter dem Antrieb menschlicher Beweggründe ein-schlägt, und diese sind stets schlecht und verderblich. Der Geist bezieht sichausdas, was geschehen sollte) die Tendenz aufdas, was ist oder sichbildet. Der Geist aller politischen Institutionen soll den natürlichenTrieben der Menschen einen Zügel anlegen und sie in den gebührendenSchranken halten, während die Tendenzen den Leidenschaften sröhnenund gar oft ganz in Widerspruch mit dem Geiste treten. Daß dasGeschrei gegen das amerikanische Pachtverhältniß eine Folge der Ten-denz unserer Institutionen ist, dürfte leider nur zu wahr seyn; dagegenziehe ich schnurstracks in Abrede, daß es irgendwie im Einklangmit ihrem Geiste stehe."
„Ihr werdet übrigens doch zugeben, daß in allen staatlichenEinrichtungen ein Geist liegt, welchen man stets achten muß, da-mit die Harmonie erhalten werde?"
„Ohne Frage. Das erste Haupterforderniß eines politischenSystems besteht in Beischaffnug der Mittel, sich selbst zu schützen,das zweite in Zügelung der Tendenzen, wo Gerechtigkeit, Weis-heit, Treue und Glauben dies heischen. Bei einer despotischenStaatsform zum Beispiel liegt im Geist des Systems die Fest-haltung des Grundsatzes, daß ein Einziger, der über den niedri-geren Sorgen und Versuchungen seines Volkes steht, um des Herr-scheramtes willen mit einer nur ihm eigcuen Würde umgeben istund in seinem hohen Rang eine unparteiische Stellung einnimmt,am ehesten die Regierung in einer Weise zu leiten vermag, welcheden wahren Interessen der Unterthanen entspricht. In Rußlandund Preußen wird ebenso gut die Theorie festgehalten, daß dieMonarchen nicht für sich, sondern zum Wohl der Unterthanenherrschen, als man bei uns der Ueberzeugung lebt, daß der Prä-