58L
merken, wie sich Gestalt und Oberfläche allmählig bestimmter ent-wickeln."
Eva machte hastig Mademoiselle Viefville und ihren Vaterauf die Stelle aufmerksam, und von diesem Augenblicke an schautendie meisten Reisenden fast eine Stunde lang unausgesetzt darnachhin. Wie Paul gesagt hatte, vertiefte sich das Blau der schein-baren Nebelmaffe, stieg mit dem unteren Rande nach der Ober-fläche des Wassers nieder und verlor zuletzt alle Aehnlichkeit miteiner Wolke. Nach weiteren zwanzig Minuten wurden die Umrisseund Winkel der Berge sichtbar, an deren Seiten sich schon Bäumeunterscheiden ließen. Endlich sah man auf der Höhe ein paarLeuchthürme aufwärts ragen.
Aber der Montauk hielt von diesen Hochlanden ab und bil-dete sich seinen Kurs nach einem langen niedrigen Sandstreifen, deretwa eine Seemeile nördlich davon lag. In dieser Richtung sahman wohl fünfzig kleine Schiffe sich einwärts sammeln oder vondem Paffe abgehen, die mit ihrem hohen, schmalen Tuch an dieKirchthürme in den Ebenen der Lombardei erinnerten. Dies warenKüstenfahrzeuge, welche ihren verschiedenen Bestimmungsorten zu-steuerten. Auch befanden sich einige Schiffe darunter, welche dereingeschlagencn Richtung zufolge auf China, nach dem stillen Oeeanoder nach Europa segelten.
Um neun Uhr traf der Montauk auf ein großes Schiff, dasunter allen Segeln, welche ziehen konnten, in einer Bogenliniesteuerte und das Wasser vor seinen Bugen aufwühlte. EinigeMinuten später näherte sich Kapitän Truck, den die Sorge für seinSchiff nicht sonderlich auf die umgebenden Gegenstände achten ließ,der Gruppe der Reisenden und begann abermals eine Unterhaltung.
„Da sind wir einmal, meine theure junge Dame," rief er— „keine fünf Seemeilen mehr von Sandy Hook, welches hierherum unter unserem Leebug liegt — eine so hübsche Lage, wiesie das Herz nur wünschen kann. Jener dürre, hungrig aussehendc