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klassische Kinn — ein Zug, dessen sich die sächsische Race selten zurühmen hat — trug das Gepräge einer stolzen Geringschätzung,die in der Regel Fremde bewog, ihn zu vermeiden. Eva zeichnete mitgroßer Gewandtheit und Treue; auch besaß sie, wie ihr Vetterrichtig bemerkt hatte, ein Auge „voll von Tinten." Oft und viel-mal hatte sie die theuren Gesichter skizzirt, aber nie ohne sich zuwundern, worin denn eigentlich der große Unterschied bestand, densie ihren Zeichnungen nie einzuverleiben vermochte. Freilich hätteauch die feine charakteristische Eigenthümlichkeit von John Effing-hamS Zügen die Geschicklichkeit eines Mannes, der sein ganzes Le-ben dem Studium der Kunst weihte, in Verlegenheit gesetzt, undeS ist deshalb nicht zu verwundern, daß die zwar anmuthige, aberdoch nicht tiefe Technik der schönen jungen Malerin ganz und gardaran zu Schanden wurde. Alle die Linien, welche ihren Vaterso gewinnend und angenehm machten — ein Charakter der sicheher fühlen, als im Begriff verkörpern ließ — waren bei dem Vetterkühn markirt und, wenn uns der Ausdruck erlaubt ist, in Folgeinnerer Leiden und getäuschter Hoffnungen marmorartig erstarrt.
Die beiden Verwandten waren reich; die Art ihres Neich-thumS war aber eben so verschieden wie ihre Charaktere. EdwardEssingham besaß ein großes Erbeigenthum, daö eine gute Renteabwarf und ihn mit warmer Zuneigung an die Fluren und StrömeAmerikas knüpfte, während der noch reichere John, an den eingroßes Handelskapital gefallen war, nicht soviel Grund und Bodenbesaß, um darin begraben werden zu können. Wie er zuweilenspottend zu sagen pflegte, „stack sein Gold in Korporationen,die eben so seelenlos waren, als er selbst."
Gleichwohl war John Essingham ein Mann von gebildetemGeist, und wußte seine Manieren je nach den Verhältnissen, diesein ausgedehnter Verkehr in der Welt mit sich brachte, — odervielmehr nach seinen Launen zu ändern. Gerade in letzterer Be-ziehung unterschied er sich vorzugsweise von Edward Essingham,