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eben so viel List als Hochherzigkeit in dem Entschlüsse, welcher denAbt zu einem derartigen Verhalten bewog, denn diejenigen, welchevon einem Schauplatz roher Gewaltthat her in das Gotteshausssürmten, mußten nothwendig durch die feierliche Ruhe betroffenwerden, die ihnen hier entgegentrat.
Die Kerzen brannten noch immer vor dem Altäre und dieLampen warfen ihr flimmerndes Licht auf die malerische Architekturund die prachtvollen Ornamente der Kapelle, während die bleichenGesichter unter den geschorenen Kopsen wie heilige Wächter er-schienen, die aufgestellt waren, um den Tabernackel vor Befleckungzu schützen. Sämmtliche Mönche befanden sich in ihren Ständen,den Prior und den Pater Johann ausgenommen, welche an denStufen des Altares knieten — ersterer als der Priester, welchereben erst das heilige Meßopfer begangen hatte, letzterer aber unterdem überwältigenden Antriebe einer natürlichen Ueberspanntheit, welcheihn veranlaßte, seine Person als einen Schild vor das Gefäß zuwerfen, das die Hostie enthielt. Der Abt saß regungslos, stolzund unbeugsam auf seinem Thronseffel, obschon seine Züge die tiefe,verhaltene Leidenschaft seines Innern bekundeten.
Der Bürgermeister und Berchthold traten mit einander in denChor, während ihr Gefolge auf einen Wink des ersteren in demKirchenschiffe zurückblieb. Beide waren baarhäuptig, und währendsie langsam den Chor hinaufgingen, rührte sich kaum ein einzigerKopf; denn jedes Auge schien, wie in Folge eines gemeinsamen Zau-bers, auf dem mit kostbaren Edelsteinen besetzten Elfenbein-Crucifirzu hasten, da« auf dem Altäre stand. Ob dieser feierlichen Ruhe rie-selte dem Bürgermeister das Blut mit unheimlicher Kälte durch dieAdern, und mit bedeutend geschwächter Entschlossenheit erreichte erendlich die Stufen, wo er dem Abt und dem Prior Angesichtsgegenüber stand; denn in den Zügen des ersteren sprach sich ebenso sehr Haß, wie Furcht aus, während in der Miene des