Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 14 (1821) Terpsichore
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

29 »

Lyrische Gedichte.

Die Urne des Minos.

Dem Richtcrstuhle bleibe der Zweykampf fern,

Wo gegen Gold mit Eisen der Richter kämpft;

Wie oft erlag sein schwacher Stahl schonJener gefürchteten gvldnen Schneide!

Mein Sphynx spricht Heller. Ferne dem Richter-stuhl scy

Verkauf der Stimmen, schmählicher Gunstverkauf.Den höchsten ungerechten Richter

Straft' und verbannete einst die Scherbe.

Pech sind Geschenke. Keine gewaschne Hand

Berühre sie. Der goldne Becher glänztAuf jenes feilen Richters Tafel

Ihm zur Verdammung. In Ruhme glänzet

Das kleine Salzfaß, das des gerechten Manns

Beherzte Armuth preiset. Wohin im StreitNach eigenem Gewicht die WaageSinket, da sinke sie hin dem Auge

Dcr, die sie hält, der sehn den Gerechtigkeit!

Dann ruh das Meer des wüthenden WcllenstreitsIn seinen Ufern. Viele Klagen

Hat es verschlungen der armen Wittwen,

Der Waisen, deren Segel hinunterfuhr

Im Schiffbruch. Richter! werde des Streites

Arzt,

Erforsche tief der Krankheit Quelle,

Ocffnc die Ader der Patienten.