^62 Lyrische Gedichte.
— Lächelnd sprach sic: „so lieben wirs! durch Län-der und Städte,
Wohin uns unsre Neigung treibt,
Wandern wir hin und her; neun Schwestern! Mei-ne Gespielen
Sind alle Eines Sinns mit mir.
Unter Verkleidungen mancherlei) Art durchwandern
die Welk wir,
Zum großen Wohl der Sterblichen.
Denn wie der Wind die Wellen, wie Er die Lüfte
beweget,
Und sie bewegend reiniget,
Fächeln wir auf der Menschen Gemüth duxch geisti-gen Anhauch;
Sonst moderten in Trägheit sie.
Eeres streute voreinst, als sie auf Wegen und
Stegen
Die liebe Tochter suchete,
Fröhliche Saaten umher; auch wir streun frökst'che
Saaten
Ins rohe Herz der Menschen. WirWecken den Geist, und bezähmen die Brust; denp
Gesänge der Leyer
Horcht auch der wildeste Barbar.
Weder Alpen noch Strom, uns halt kein tobendes
Meer auf;
Uns schrecket nicht die dickre Luft.
Hin zum eisigen Pol, wir gehn zum fernesten
Volke,
Das kaum die Sonne selbst besucht." —
Also die Göttin; sie schlug noch einmal die Epmbel
der Isis
Und war entschwunden meinem Blick. —