Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 14 (1821) Terpsichore
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

66

Lyrische Gedichte.

Da schallt kein Kriegshorn, keine Trommet' ertönt;

Trabant und Büttel rusen dich zu GerichtUnd Hofe nicht. Die schöne Aue

Ist dir ein Hof, und der Hain die Welt dir.

In Baumes Schatten breitet ein weiches Bett

Der Rasen; ringsum wölben die Zweige sichZum grünen Vorhang', und die hci'igeMurmelnde Quelle zu deinem Haupte,

Sie fübrt den Schlummer leis' und gesund herbei.

Die Erde zollt dir küblende Beeren, MilchDie Heerde, die Sylvan, dein Schutzgott,

Gütig beschützet und mächtig leitet.

Kaum glanzt im Thau der goldene Morgcnstrahl

So eilt hinaus die Heerde. Mit jungem MuthBegleitet sie der Hirt, und grüßetSeine Gefilde mit neuen Tönen.

Und steigt die Sonne; siche, da badet sie

Ein frischer Strom; der zitternden Mutter bringtDer Hirt das junge Lamm. IndessenHeben sich lauter die Abendlüfte;

Die Bäume sprechen; grüßet die Erle nicht

Dort ihre Schwester Erle? Die Eiche dortDie Mutter Eiche? sanft gebogenLispeln vertraulich sie zu einander.

Die Vögel alle singen in Hellem Streit;

Das Töchtcrchen versuchet den neuen Ton,

Den früh im Nest ihm seine MutterLehrete, jetzt in dem Hain-Theater.