Der neue Stil.
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Das klingt doch fast auch wie ein Programm, wieeine Theorie —“
„0 nein! Da täuschen Sie sich sehr! Ich habekeine Theorie, wirklich nicht, und habe auch gar keinBedürfnisse
Vielleicht ist es charakteristisch gerade für ihreschauspielerische Art von unbewusster Schönheit undAVahrheit, dass sie keine Theorie haben kann. Vielleichtist, was die Naturalisten wollen, nur möglich, wennman es nicht will und nicht einmal weiss.
XI. Charlotte Wolter.
Lobkowitzplatz, der mitten in der lauten Stadtwie eine heimliche Insel ist, wohin kein Ruf aus demTumult des Tages dringt. Ein helles Haus, mit breitenweissen Stiegen, und Alles still, bürgerlich, ein bisschenpedantisch, wie wenn man irgendwo in Augsburg oderUlm zu einem der Patricier kommt. Auf einem schmalenSchilde in steifen gelben Lettern: Charlotte Wolter.
Das ernste Zimmer, mit Bildern, Büsten, Broncen,aber die sich nicht drängen, sondern wie von selberdort gewachsen scheinen, ist auf ein tiefes, volles,sattes Roth gestimmt, auf jenes warme, reife, brauneRoth der Venetianer, das alle bunte Hast des Lebensbändigt. Nichts wirkt gemacht, gerichtet und gestellt,jedes ist nothwendig und gibt seine Schönheit stillzum Ganzen. Man fühlt Maass, Melodie und AVürde inder strotzenden Fülle; etwa wie vor der Lavinia desTizian, wo die Früchte von Säften brechen undsich doch in eine edle Ordnung ergeben, wie in denreichen und doch feierlichen Sälen des Grafen Schack,wie bei den Versen des Gautier, wo der heftige Drang,die ungestüme Farbe doch zuletzt dem straffen Stolzevon marmorenen Rhythmen folgen muss. Französisch