beisammen : das Bediirfniss der Schauspielerei, sich mitden anderen Künsten unablässig aus dem neuen Geistezu erneuen, zu verjüngen, zu entwickeln, und daschauvinistische Bedürfniss der Berliner, sich ihreSpecialität zu schaffen.
Eine besonnene und gerechte Prüfung tliut noth,welche an dem Ausgang der Sache kein Interesse hat,sondern gelassen und unbefangen den neuen Stil misst,seine Absichten, seine Mittel und seine Wirkung.
Wer um sein Wesen fragt, kriegt nicht leichteine deutliche und klare Antwort. Die Begeisterungder Berliner ist allgemein. Aber wie sie sie recht-fertigen sollen, da hat Jeder seine besonderen Gründe,Hoffnungen und Wünsche. Die meisten halten sichan Namen: Josef Kainz, Emanuel Reicher und neuestensRudolf Rittner, an denen freilich der bedenklichereFremde sonst keine Gemeinschaft sieht, als dass Jederdie Schablone verachtet und der eigenen Natur folgt.Wenige versuchen es mit ernstlicheren Argumenten.Nach ihrer Meinung soll der neue Stil in einer uner-hörten Natürlichkeit, Lebendigkeit und Gewöhnlichkeitder Rede und der Gesten bestehen, welche die künst-liche Form, die erlernte Pose, den gesuchten Schwungund Rhythmus strenge verschmäht und eine vollkommene,ungestörte, in Nichts gemilderte, noch gesteigerte Copieder täglichen Wahrheit von der Strasse mit allemAnhang von Zufall und von Willkür, mit allem Zubehördes momentanen Scheines gibt. Die ganze Wirklichkeitdes Augenblicks, und nichts als diese Wirklichkeit,ist das Gesetz, und so muss der Schauspieler auch,nach dem Beispiele der Natur, statt der fertigenCharaktere der Tradition, welche im ersten Act gleichimmer schon die letzte Szene tragen, vielmehr dieunvermutheten Wunder des Werdens und Wachsensgestalten, den ewigen Wechsel der Seelen im Wechselder Ereignisse, welche Kräftiges beugen, Heimliches