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T li e a t e r.
Eine Woche später sah ich sie auf der Bühne.Joseph Kainz und eine liebe Hamburger Naive, LotteWitt, welche Director Burckhard fangen sollte, warenmit. Ich werde es nicht leicht vergessen. Wir taumelten,fieberten, bebten. Kainz rannte, schrie und schwangjauchzend den Hut, wie einem Fürsten gehuldigt wird.Die kleine Lotte weinte bitterlich und wollte nichtmehr spielen, weil sie es nicht verdiente und sichschämte. Als wir dann aus dem Theater kamen underzählten, glaubten uns die Freunde betrunken oderverrückt. Wir stammelten verzückt, gesticulirten be-sessen und mochten uns absurd genug geberden. Undich weiss, dass icli die ganze Nacht sass und schreibenw r ollte und verzweifelte, weil mir die Sprache fehlte,den Adel dieser Gefühle zu sagen. Ich brauchte vierAVochen und musste erst eine Eeise, neues Leben,fremde Menschen zwischen uns stellen, bis ich meinte,über sie schreiben zu können. Und dann ist es erstnoch sehr überschwänglich geworden. Es reut michnicht: Rausch der Sinne ist immer ein Glück, auch
Avenn es später einen kleinen Jammer gibt.
Ich schrieb Uber sie in der Frankfurter Zeitung,und das brachte sie nach AVien. Ein Agent, HerrTäncer, las es, verhandelte mit ihr und liess sie imCarl-Theater gastiren. Sie kam in ein leeres Haus.Niemand kannte sie, als sie begann. Als sie endete,rauschte ihr Ruhm noch in dieser Nacht durch dieganze Stadt. Sie wirkte umviderstehlich. Man redete,man hörte, man Avusste nichts Anderes mehr. Man ver-gass die AVolter und die Sandrock. Die Kritik sangHymnen. Es geschah den AVienern, Avas uns in Peters-burg geschehen: der grosse Rausch kam über sie.
Er kam dann auch über die Berliner. Aber dortAvar es doch ein bisschen anders. Einige bliebennüchtern. Der feinste Kenner, den das Deutsche Reichjetzt hat, Maximilian Harden, nannte sie eine Virtuosin