Druckschrift 
Studien zur Kritik der Moderne
Seite
248
Einzelbild herunterladen
 

248

M alerei.

Preis verhindern. Sie wollten zeigen, dass es nirgendseine bessere Kunst gibt, dass sie sich gelassen mitEuropa messen dürfen und dass dieses müssige Geredevon Moderne nur in ein paar unruhigen und missver-gnügten Köpfen spuckt, die selber nicht wissen, wassie wollen. Und das zu zeigen, war doch wirklich eineKunst. Es ist ihnen gelungen. Man muss sie bewundern.

Ich sage da nicht etwa eine Vermuthung von mir.Man braucht nur die Ordnung der Bilder zu sehen,um es selber zu wissen. Die Frau mit der Ziege vonLiebermann hängt so hoch, dass sie jede Wirkungverliert. Aquarelle von Dettmann und Koner steckenin einer finsteren Kammer, die sonst nur als Passagedient. Anna Ancher, Michael Ancher, Hugo Salmsonsind oben hinten in einen entlegenen Winkel versperrt,den man nicht findet. So wird der Schein,, dass esnicht bloss in Oesterreich, sondern heute überhauptkeine Malerei gibt. So geschieht es, dass die WienerMalereisich sehen lassen kann, die doch eineSchmach ist; denn sie hat unter fast zweihundertNummern hier kaum ein halbes Dutzend von künst-lerischen Werken: einen schönen Akt des jungenMeisters Engelhardt, der unangefochten durch allenNeid und Hass immer kräftiger und deutlicher wächst,ein Portrait der Olga von Boznanzka, dann Jettei,Delug, Hörmann und einen neuen Namen, den man sichwohl bald merken wird, Lenz.

Man darf also nicht sagen, dass die Ausstellungnicht gelungen ist. Sie dient dem Plane der Aussteller:ihre eigene Ohnmacht betrügerisch zu verstecken. Mannennt das hier patriotisch, wenn man den Leuten dieAugen verbindet und wer nach Licht ruft, wird vervehmt.