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Studien zur Kritik der Moderne
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alten Meistern. Und dabei naiv, das reine Kind! Dasist ja auch der grosse Fluch, dass das immer mehrverloren geht. Aber ohne das gibt es keinen Künstler.Jeder grosse Künstler ist ein Kind. Ja, noch mehr:überhaupt jeder grosse Mensch ist ein Kind. Ich sageIhnen, ich kenne doch eine Menge Menschen, bedeutendeMenschen, die was sind. Und wenn ich einen porträtire,das können Sie mir glauben: den knöpfl’ ich mir auf,den zieh’ ich mir bis auf die Hemdärmeln aus. Undich sage Ihnen: je grösser einer wirklich ist, destokindlicher bleibt er sein ganzes Leben. Ohne das kannman nicht schaffen. Desswegen gefällt mir der Uhdeso — die Leute haben ja geschimpft, weil sie ihn garnicht verstehen — und dann sind wir halt auch nochan die alte Malerei auf die decorative Wirkung ge-wöhnt! Aber was hat der Mann für eine Empfindung!Zum Beispiel in dem: Herr, bleib’ bei uns, denn eswill Abend werden! Ja, das ist wie ein frommes Kind,das beten tliut. Ich bin überzeugt, der denkt nichterst viel nach — der hat das eben da drin. Dagegenschauen Sie: zum Beispiel der Stuck ist gewiss einfamoser Kerl, sehr viel Talent — aber das nützt nichts,das ist halt Alles mit dem Kopf gearbeitet. Und daist es schon aus. Das kann dann nicht wirken. DasRaffinirte bringt die Kunst um. Naiv, kindlich! Ja,aber woher denn — bei der heutigen Erziehung? Dawird ja Jeder mit so viel Gelehrsamkeit angepamft,dass kein unbefangenes Gefühl mehr bleiben kann. Sowerden wir immer gesell ei dter, immer gesell eidter, enormgescheidt, und keine Kunst kann mehr gedeihen.“

„Ja ich glaube auch, dass unsere verrückte Er-ziehung ein rechter Jammer ist.“

„Na! Zuerst wird einer zehn Jahre dressirt, unddann braucht er noch einmal zehn Jahre, bis er eswieder vergisst, und dann kann er erst wieder vonvorne anfangen. Dabei geht, alle Individualität und