Druckschrift 
Studien zur Kritik der Moderne
Seite
174
Einzelbild herunterladen
 

174

Litte ratu r.

ein Mystiker und Schwärmer, der Dichter desesoterischen Dramas «Les Noces de Satan», der stattdieser Bühne der Melpomene von heute eine Bühnedes Hermes von morgen will, etwas konfuser Heroldvon vergessenen Priesterschaften, zieht ein Registerseiner Sünden und die heimlichen Revuen der Ver-kannten lästern giftig. Und so im Schwall und Taumelvon politischer Fehde, Hetze der Rivalen und demblinden Lärm der Presse schwanken, schwinden undverschwimmen seine Züge.

Es ist schwer, seine Art zu treffen und zu fangen,weil"es scheint, dass er keine Seele, sondern einenPlural von Seelen hat, die streiten. In dem schmalen,hageren und blassen Dandy, der mit dieser weichenund gedämpften Rede, diesen schlaffen, englisch vagen,nonchalanten Gesten ein bisschen an den langen Prinzenvon Hernals erinnert, ist Zwist von allerhand Personen.Eine scheint die andere zu leugnen, sie wollen sichnicht vertragen.

Da ist erstens der Barres der ,.Taches dencre.So Iiiess eine kleine, aber hochmüthige Revue" vongesuchten, fremden, seltenen Allüren, die er 1883, ebeneinundzwanzig alt, redigirte. Hier und in seinenChroniken derRevue Contemporaine sind alle Keime.jener stillen, zarten, eleganten Dinge schon, die ihm_fiir seine Romane dann die Begeisterung der .Tugendund den Dank der unruhigen und bangen Denkerbrachten: der stolze Drang des Künstlers, einsam undfrei zu werden, keine Welt zu kennen als die eigeneSeele, kein Gesetz zu hören als seinen Wunsch, preoccupede la vie Interieure und der recherche des scnsations exquiseset. profondes ergeben; der Hass und wilde Dünkel gegendieBarbaren, gegen die breite Menge der Gemeinen,der dddain de la vie commune; die schwüle Angst umZucht und Pflege von unbekannten feinen, adeligenGefühlen; der Zug zur Welt, aus der einzelnen Race