Druckschrift 
Studien zur Kritik der Moderne
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

99

Vom .jüngsten Frankreich.

Wirkungen aufeinander, ihre Kämpfe untereinander undihre Versöhnungen zeigen. Man müsste die grosseStrasse Zolas gehen, aber Uber ihr in der Luft einenparallelen Weg führen, eine zrveite Bahn nach demJenseitigen und Nachherigen man müsste mit einemWort einen spiritualistisclien Naturalismus schaffen.Diese Theorie ist in seinem neuen Roman*), aber dieserRoman ist nicht ihre Praxis: er ist ganz einfach zolaistisch,durch und durch eine genaue und umständliche Samm-lung von Dokumenten über den Satanismus.

Dann die_Formel des reinen, aller Wirklichkeitentflohenen Traumes, welche die Decadents verlangen.Dahin gehört «La Victoire du mari» von JosephinPeladan, welche den mühsamen Sieg eines verliebtenWagnerianers über einen alten Nürnberger Professorerzählt, der gespenstisch auf den schönen Leib dertreuen, aber gegen die unsichtbare Liebkosung wehr-losen Izel stösst.

Endlich die laute und anmassliche Formel des /Romanes von morgen, welche Marcel Prevost seinerConfession dun amant vorausgeschickt hat. Davonist in allen Zeitungen viel Lärm gewesen, aber sieenthält eigentlich nichts, als ein gefälliges, biegsamesund dehnbares Wort, hinter dem sich jeder das Seinigedenken kann. Das Wort von dem ronmn romanesque.«Le besohl dnne expression romanesque de la vie est unedes categories de la conscience et de lesprit butnain; ilsubsiste tant que subsiste lhwminite avec ses reves, ses.emolions passionelles, ses espirances indeter minies.» Wennman diesen etwas dunklen Commentar aus dem Romane,der ihm folgt, ergänzt, dann merkt man bald seineklare und nützliche Weisheit. Es ist gar keine soungestüme und gewaltsame Neuerung, wie er einemgern einreden möchte, sondern die alte und erprobte

*) «La has». Bei Tresse & Stock.