Kritik.
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So rückte die Kritik um eine Nummer hinauf'. Siefügte sich der neuen Mode des Geistes, dessen Leiden-schaft jetzt die „Thatsache“ wurde, wie es früher die„Idee“ gewesen, und liess das ewige Keifen sein, dasSchulmeistern und Besserwissen. Loh und Tadel schobsie hei Seite. Nicht prüfen und danach beurtheilen —sie wollte jetzt bloss noch „konstatiren“. Ob einer einBirnbaum oder ein Apfelbaum — diese Frage alleinvermochte sie noch zu interessiren; ob die Birnenbesser schmecken oder die Aepfel, darum kümmerte siesich nicht mehr, darauf antwortete sie nicht mehr.Aus der ästhetischen Gesetzeskunde des Boileau undLessing war sie zur ästhetischen Naturgeschichte desSainte-Beuve, Georg Brandes und Taine geworden:nachforschen — nicht vorschreiben — so hiess dieneue Losung.
Sie bildete zwei Arten der Kritik aus, zwei Gruppenvon Kritikern. Die einen nahmen die Werke einesKünstlers zusammen, verglichen sie miteinander undberichtigten sie aneinander und bestimmten aus ihrenZügen zuletzt die Physiognomie ihres Schöpfers. Umdiese war es ihnen vornehmlich zu thun. Dazu behalfensie sich mit allen Mitteln, welche sie nur immer auf-zutreiben wussten. Sein ganzes Wesen suchten siesorgfältig ab, sammelten Briefe, Schulzeugnisse, Be-richte von Verwandten und Freunden, jagten nachAnekdoten, die ihn bezeichnen konnten. Das war diepsychologisch-biographische Gruppe; Sainte-Beuve istihr bestes Beispiel. Die anderen kümmerten sich nichtso sehr um die Bilder der einzelnen, sondern die all-gemeine Psychologie einer ganzen Zeit war ihre Neugier.Die Litteratur an sich und jeder einzelne Litterat, dieMalerei an sich und jeder einzelne Maler, die Musikan sich und der einzelne Musikant — das reizte siewenig. Die ganze Zeit sollte wieder auferstehen, wiesie dachte, wie sie fühlte, wie sie war, wie sie sich ihr