333 Früchte aus den sogenannt-
wohl die erste Pflicht des SängerS oder Lesers, daßer auf;»hören wisse, ehe uns der sanfte Gott,Schlummer, oder seine Vorgängerin die Lange-weile, überschleichet. Um so mehr ist dies der Fall,wo, wie z. B. bey C a m o e n s, Ercilla, Tasso u. f.ein'Theil des Gedichts historisch, oder wie beyDante, Arioft, Spenser u. f. rein imagina-tiv ist? wer wollte da nicht lieber den Flug derEinbildung zweckmäßig kürzen, oder das Feld der Ge-schichte historisch durchlauft», als daß er das Ziel sei-ner Bemühung episch verfehlen sollte? Nachdem, waswir bey ShakespearS Trauerspielen selbst, geschweigebey jenen langweiligen Romanen der Mittelzciten er-fahren, ists offenbar, daß entweder unser Blut schnel-ler fließe, oder unsre Aufmerksamkeit eher ermüde, alses bey dem langsameren GedankeNzuge und den stär-keren Organen unsrer geduldigem Vorfahren zutreffenmochte. Schonet unsrer Schwachheit also, ihr epi-schen Dichter, und singet uns mit euren neun odervier und zwanzig Musen nicht zu Tode. Fürchterlichist das Gefühl, wenn man bey Trauerspielen UndEpopcen das Ende erwartet, und es immerdar — nichtkommt. Durch den mißverstandnen Ausdruck Aristo-teles, daß die Handlung der Epopee eine Größehaben müsse, und durch die Verkettung der Home-rischen Gesänge zu zwey so langen Größen, ist seit-dem viel Schlaf bewirkt, und die Göttin Lange-weile zur epischen Muse ftyerlich cingekleidet worden,da doch Aristoteles erstem Begriff nach die Handlungder Epopee übersehbar, mithin umgrenzt seyn soll-te: Denn wer liebt, wenn er Paradiese sucht, Sibe-rische Steppen oder Afrikanische Wüsten, bey denendas Auge kein Ende, der matte Fuß kein Ziel findet?