Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
289
Einzelbild herunterladen
 

goldnen Zeiten.

289

3 .

A. Zu Allem lassen sich Worte finden. Siewissen, was in unsrer Natur das Häßlichste werdenkann, was die Natur daher selbst mit Schaam undSchweigen umhüllt hat; wie wenn man Dies, mit-hin das Lüsterne zum Gegenstände der Komodiemachte? Man gäbe Ehre und Schande Preis,schlosse über sie ein geheimes Einverständniß desNicht-Notiznehmens —

B. Man gäbe Ehre und Schande Preis?Preis dem Theater? Nun, so mahle cs auf seinenVorhang —

A. Was?

B. Den Urgvtt -PrgapUs, oder galanter de»Lingam. Wovon man in keiner ehrbaren Gesell-schaft spricht, davon wird man doch auf der Bühnenicht sprechen, noch weniger es darstellen wollen?Das Lächerliche gehört der Komödie; nicht das Lä-sternde, das Kitzelnde, das Wilde. Ein Lust - oderTrauerspiel, in dem sich Beinkleid und Schürzeprasentiren, und zwar ein- sobald es sich prasentirt,gebietendes Beinkleid, dem alle Schürzen unver-meidlich gehorchen, und gcgentheils eine eben somächtige Schürze, die, nachdem man sic Einmalgesehen, Alles erlaubt macht, und der sogar Thranengebühren — mit welchen niedrigen Namen solltenwir, Lichtertragend, dies Lingam spiel nennen?

A. Und doch wird geweinet.

Herders W. Lit. u. Kunst. XU.

I