Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 12 (1821) Früchte aus den sogenannt goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrkunderts
Entstehung
Seite
285
Einzelbild herunterladen
 

goldnen Zeiten.

28L

kecstühle, Zuchthäuser gehört das Luster; nicht fürdas Lustspiel, das sich an Lastern weder erfreuensoll, noch sie zu bessern v er m a g. Haben Sicnie die Quaal der Hölle empfunden, wenn ein Ver-ruchter, komisch gehalten, durch alle fünf Acte, un-fern innern Sinn für Pflicht und Recht quälet?Seine Familie hat er ins Unglück gestürzt, Weibund Kindern macht er Höllentage, den Freund hater betrogen, das Mädchen verführt, den Herrn be-stohlen , in Amt und Geschäft ist er von allen Sei-ten ein Schurke; und diesen Böseivicht, der in dieKarre gehört, müssen wir fünf Acte lang vor unssehen, allen Jammer, den er gestiftet hat und zustiften fortfahrt, mit Augen erblicken, ihn seufzend,weinend, zankend uns vortragen hören; zuletzt kommtein edler Freund und rettet ihn, oder der gnad'geHerr erscheint und vergiebt ihm; er weint Bußthrä-nen, um cs wahrscheinlich im sechsten Act,wenn das Stück fortginge, noch arger zu machen,als er es im ersten machte. Ein treffliches Lust-spiel! in dem man für Unlust und Ungeduld dieganze Wirthschaft nach Newgate*) wünschte. Ari-stoteles setzt es als ersten Begriff des Lustspiels,daß es mit straffälligen Lastern nichts, wohl abermit Fehlern, mit Auswüchsen der menschlichen Na-tur zu thun habe, die lächerlich, aber nichtsch adlich sind. Was Verderben nach sich ziehet,(i-o Gegenstand des Lust-

spiels."

*) Gsfanzniß in Lpndon.