goldnen Zeiten.
wir einig. Glänzt hie und da nur Eine Situationhervor; mit den schönsten Versen und Reden lahmtdas Lustspiel. Dergleichen Verse konnte man bepmLehrdichter, und vielleicht besser lesen: dergleichen Re-den vom Redner hören. Au solchem Zweck kamenwir nicht ins Theater.
A. Wird aber eben hiedurch die dramatischeKunst nicht philosophisch? Sind dergleichenCharaktere nicht bleibende Phisiognomiecnder Me n sc h e n n a tu r für alle Nationen, füralle Zeiten?
B. Nichts weniger. Eben das, was man aufder Bühne Charakter nennt, Sitten, Meynun-gen. Gewohnheiten, Eigenheiten sogar,verändern sich unaufhörlich mit Völkern und Zeiten.Bey Moliere's ausgearbeitctsten Charakterstückenstand schon vor dreyßig Zähren das französische Thea-ter leer; man lief zur Posse, zum JraliänischcnTheater. „Ach, hieß es, solche Tartuffen giebtsnicht mehr; wenn Meliere aufstünde, müßte er siejetzt anders kleiden. Es sind alte Spasse." Dage-gen an Moliere's Stücken, in denen die Fabelherrscht, fand man immer Freude; der lVIsckiuinmalAre lui, sein letztes Stück, wird auch auf demTheater sein letztes, das daurendste bleiben. — Ge-hen Sic die englische Humour-Stücke durch, wiewenige der Alten von Ben-Johnson u. f. habensich auf der Bühne erhalten! Einfälle, Scenen,Situationen nimmt man aus ihnen und kleidet sieneu ein; die Charaktere selbst müssen ncugestützt oderumqeschaffe» werden. Sie sind, sagt man, nichtmehr für unsre Zeiten. Und unsre alteren deutschenCharakterstücke, ob sie gleich so gar alt nicht sind —