278 Früchte aus den sogcnannt-
Menschcn einst und so sind sie noch; jetzt nurschlauer, verdeckter. An jenen großen Vorbildungenin Tugenden und Gräueln lasset uns Horen, in wel-chen Tönen, mit welchen Wendungen die Leidenschafteinst laut sprach; jetzt raisonnirt sie leiser und fei-ner. An Kritzeleyen aber läßt sich keine reine Hand-schrift lernen; sondern an großen, starken Fraktur-zügen.
Das Mcnsehenherz bleibt immer dasselbe; dieSchickung waltet durch alle Stande. Ein unbedeu-tender Mensch erfäbrt oft Katastrophen, wie KönigLear sie kaum erfuhr; einer bedrängten Familie er-scheint die Retterin aus Noth gewiß erwünschter,freundlicher, milder, als einer Königin der uner-wartete Bundesgcnoß ihrer Kriegs - und Staats-plane.
Die Herabstimmung der hohen Tragödie zu demsogenannt- bürgerlichen Trauerspiel ist alsokeine Erniedrigung, keine Entweihung. Der Unge-heuer auf Thronen sind wir satt; wir wollen in denuns näheren Ständen und Verhältnissen Men-schen sehen, die mit eignerer Kraft als vielleichtJene die Schickung abwenden oder gegen sie käm-pfen, Sokrates und Epaminondas, die Horazier,Eoriolan , Regulus, Brutus, Cinna, Seneka,Papinian, u. f. waren keine Könige, sondernBürger.
Hat das rettende Stück einen fröhlichen Aus-gang, so schmerze es der Spottname einer weiner-lichen Komedie, (copneäis Igrmrc>)'arN,s) nicht;wir haben unter diesem Namen rührende Stücke derleidenden und geretteten Menschheit. Ueberhaupt istsein gutes Zeichen, daß wir den Geschmack am Flit-