goldnen Zeiten. 261
Oder sähe er Stücke, wo die balle xassioo
galant dominiret, wo der Held zwei) schöner Augenwegen auf Einmal sich und seinen Charakter, Vater-land, Würde, That, Freunde vergißt und die Fabeldes Schicksals mit seinem zarten Herzen, und mitnoch zartlicherm Beyfall der Zuschauer zum Unge-bilde der belle passion erniedert; „ist das EureWelt der Seligkeit? (würde der Grieche fortfahrcn).Gilt Euch Galanterie statt honetter Pflicht? schlaffeDelikatesse statt Liebe? Hat, wie jene Abdcriten,auch Euch der kleine galante Gott getroffen, daß wo
Ihr Liebe nur nennen hört, Ihr sogleich hinschwin-
det und ächzet? In welche Region ist eure Passiongesunken! Aus der Brust in die — Leber."
„Wie aber? wird das alt- und neugalante Zeit-alter sagen, dürften diese Schwachheiten, die in derWelt herrschen, nicht auf dem Theater vorgestelltwerden?" Recht vorgestellt, in ihren wahren Fol-gen — allerdings! Dazu eben trug Melpomene denDolch, die Keule. Ihr habt das Gerath verändert;statt jener beschwerlichen Waffen gebet Ihr ihr denSpiegel der Venus in die Hand. Wohl! In ihrerHand werde auch Er ein Spiegel der Wahrheit.Wenn Alles heuchelt, heuchle das Theater nicht; dieStimme unsres innersten Bewußtsepns, das Maasüber Werth und Unwerth der Gesinnungen, Hand-lungsweisen und Leidenschaften auch dieser Art ertönerein; sie werde nie verfälschet. In Kabinetten geltefalsche Politik, im Lager falsche Heldengröße, in Klö-stern und'Einsiedelcpcn falsche Heiligkeit, in Sälender Gesellschaft, in LiebeSkammcrn offner Betrug nachhergebrachten, beyderseits cinverstandnen Conventionen«